Rudolf Schmitt: Kollektive Metaphern des psychosozialen Helfens. In: report psychologie, Bonn, BDP, Heft 5-6/1995, S. 389 - 408.
GALILEI nimmt einen Apfel vom Tisch: Also das ist die Erde.
ANDREA: Nehmen Sie nicht lauter solche Beispiele, Herr Galilei. Damit schaffen Sie's immer.
(Bertolt Brecht: Leben des Galilei)
Kollektive
Metaphern des psychosozialen Helfens
"Klären" wir die Probleme unserer Klientinnen? "Lösen" wir ihre "Verstrickungen"? Oder sollten wir sie besser nur "begleiten", damit sie ihren "Weg" selbst "finden"? Wir könnten allerdings versuchen, diese Prozesse (lat.: procedere, processi: vorwärts schreiten) zu "erleichtern", wenn die Menschen es zu "schwer" haben. Oder? Was machen wir eigentlich? "Machen" wir denn etwas?
Es gibt sehr differierende Antworten auf diese Fragen; in sozialpädagogischen Handlungsanweisungen und psychotherapeutischen Fortbildungen, in vergleichenden Therapiestudien (z.B. Zimmer 1983, Thommen et al. 1988, Grawe et al. 1994) und qualitativen Untersuchungen des psychosozialen Helfens (Beerlage et al. 1989) werden sehr unterschiedliche Formen und Inhalte des psychosozialen Helfens diskutiert. Eine Antwort, die so sehr an der Oberfläche des Phänomens liegt, daß sie fast immer übersehen wird, besteht darin, dem Volk der HelferInnen "auf das Maul zu sehen" (Luther)1. Die amerikanischen Linguisten und Sprachphilosophen George Lakoff und Mark Johnson behaupten, daß unsere sprachlichen Bilder nicht nur Oberflächenphänomene des Redens sind, sondern Modelle des Denkens und der Interaktion offenbaren2. Die Untersuchung, die ich hier vorstelle, nutzte die Theorie der beiden Autoren, um in systematischer Weise kollektive Sprachbilder, sog. "Metaphern", im psychosozialen Bereich zu sammeln und zu analysieren. Ich fand neun verschiedene metaphorische Modelle des Helfens, die uns vor jeder Theorie schon vertraut sind, aus unserer Alltagspraxis stammen und unsere Interaktionen wahrscheinlich schon steuerten, als wir noch keine professionellen HelferInnen waren.
Als Gegenstand wählte ich eine Form des psychosozialen Helfens, die sowohl von den Aufgaben wie von den Beschäftigten ein sehr breites Spektrum beruflicher Logiken versammelt: Einzelfallhilfe in der Form, wie sie in Berlin seit 1973 praktiziert wird. Das meint aufsuchende und oft im Milieu der Klienten stattfindende Hilfe für psychisch und sozial auffällige Kinder, bei körperlichen und geistigen Behinderungen und für Menschen, die an einer psychiatrischen Erkrankung leiden. Verschiedene Untersuchungen zeigen, daß sowohl sozialpädagogische wie psychologische bzw. therapeutische Herangehensweisen genutzt werden (Fritzsche et al. 1994, Schmitt 1995). Statt einer Einführung in die Theorie der Metapher nach Lakoff und Johnson, die in letzter Zeit bekannter wird3, werde ich die gefundenen metaphorischen Modelle darstellen und an ihnen nur die zum Verständnis notwendigen theoretischen Voraussetzungen erläutern.
1.
Helfen ist "auf den Weg bringen"
Die strukturierenden bzw. konzeptuellen Metaphern sind dem klassischen Begriff der Metapher am nächsten. Sie bilden einen abstrakten Begriff (das "Leben") in Worten eines anderen Erfahrungsbereiches ("Weg") ab, um eine sinnfälligere Bezeichnung zu erreichen: "Lebensweg"- eine Metapher, die so alltäglich geworden ist, daß sie abgeschliffen und ohne Auswirkungen zu sein scheint. Aber gerade diese sogenannten toten Metaphern prägen und strukturieren unser Denken: im Leben "weiter kommen", ein "Ziel" haben oder "erreichen", gut "in Fahrt" sein, "Gratwanderungen", "Durststrecke", den Tagesplan "durchgehen", bei jemand schlecht "ankommen", seinen "Weg finden", "ziellos" arbeiten, eine "verfahrene" Situation, einen "Lebenslauf" schreiben. Aber das "Leben" ist selbst eine Metapher: Seine Etymologie läßt sich auf "bleiben" und dieses wiederum auf "hängen, kleben" zurückführen (Kluge 1989/91, 432) und läßt uns über den Zusammenhang von Bleiben und Bewegung spekulieren, der sich unerkenntlich darin verdichtet. So ist jede Sprache ein "Wörterbuch erblaßter Metaphern" (Jean Paul), und Metaphern sind ein nicht ersetzbares Kommunikationsmittel (Lakoff, Johnson 1980/3).
Die Metaphorik des Wegs war in jeden Interview mit den HelferInnen zu finden. Die Wichtigkeit dieser räumlichen Metaphorik ist bekannt4, ihre Funktion ist unverzichtbar. So dominiert in der Analyse von Presseberichten über den GAU im Kernkraftwerk Tschernobyl (Bock, Krammel 1989/52ff.) die Metaphorik von Orten, Wegen, Begegnungen und Fortbewegung, es "kam" zum Unglück, die Katastrophe "nahm ihren Lauf" und Folgen "traten ein". Kövecses (1988/21f.) weist detailliert für die englische Sprache nach, wie die gleiche Metaphorik wesentliche Anteile des alltäglichen Begreifens von Liebesbeziehungen beisteuert ("so kommen wir nicht weiter", am "Scheidepunkt" sein, den (Lebens-)Weg gemeinsam "gehen", die Beziehung ist in einer "Sackgasse"). Grawe 1988 entwickelte für Therapeuten eine solche Wegmetapher. Um abstrakte Konzepte wie z.B. "Zeit" als "Zeitraum" erfahrbar und sinnlich zu machen (Blumenberg 1971/166), reden wir von "Abläufen", "Vorgängen", einer "Zeitachse", von Anfangs- und End"punkten", zwischen denen sich die Zeit "erstreckt". Die umgangssprachliche Bezeichnung psychischer Krankheiten nutzt ebenfalls diese Bilder, in denen ein Mensch sich auf seinem Weg entweder zu langsam bewegt oder gar nicht auf dem richtigen Weg geht ("weggetreten", "Rückfall", "irre(n)", "neben sich stehen", "neben der Spur" sein) oder zu schnell ist (dem "geht der Gaul" durch, sich "in eine Sache verrennen", ein psychotischer "Schub", "fahrig" sein). Dennoch überraschte die Häufigkeit und Präsenz dieser Metaphorik: Es schien keinem der Helfenden möglich, auf diese Bildlichkeit zu verzichten.
In den Interviews wurde die Situation der KlientInnen in ihrem sozialen Umfeld als Ausgangspunkt der Hilfe meist durch "Unbeweglichkeit" und "Enge" umschrieben; die Metaphorik bebildert, daß Fortbewegung behindert wird, es "geht nicht". In diesen Bildern werden sowohl Kinder wie psychiatrische Patienten beschrieben.
woran
es denn hapert und woran es denn hängt, warum es ihr damit
nicht so gut geht
er hat sich verrannt in diese Vorstellung
sie traut sich aber nicht diesen Schritt
Sie fühlt sich eingesperrt
das geht halt nicht
es sind zuviel Hindernisse im Wege für sie
sie wollte dann auch nicht weiter
sie bremst ihn immer
er steht sich da im Weg
Oft
wurde die Unbeweglichkeit durch Spannungen in der Familie erzeugt,
wenn sich z.B. die Positionen von Kind und Eltern "diametral
gegenüberstanden" und in dieser Spannung verharrten. Die
Metaphorik betont räumliche Gegenüberstellungen und
Distanzen: "Auseinander"-gehen, "gegen". Die
HelferInnen können "dazwischen" stehen oder eine Rolle
in der familiären Spaltung übernehmen.
daß
ich da eine Riesen-Grätsche machen mußte, um so dieser
Spannbreite von Anforderungen zu genügen, die sich ... diametral
gegenüberstanden
obwohl das dann auch auseinanderging
zwischen Über-Ich und Es da irgendwo so dazwischen zu stehen
Reibungspunkte in der Familie
ich vertrat die schwierigste Stelle, und auch die unsicherste Stelle in der Familie
die beiden großen, pubertierenden Mädchen grenzen sich nach oben ab, und Mutter und der kleine zweijährige bilden eine Einheit, und sie saß irgendwie dazwischen
sobald sie zusammen sind, gibt es erhebliche Auseinandersetzungen
habe mich gegen die Familie auch gestellt
Von
der Familie als "Gefängnis" und als
"Auseinandersetzung" unterscheiden sich diffuse
Territorien, in denen alle Familienmitglieder auseinanderstrebten. Es
sind die Präpositionen "in", "ab-", "aus-",
die unterschiedliche räumliche Verteilungen anzeigen, ohne noch
zu einer "Gegenüberstellung" zu kommen. In diese
Gruppe gehören auch Bilder unkontrollierbarer Bewegungen, von
Chaos und tobenden Emotionen, die sowohl in Familien wie in der
Einzelperson lokalisiert werden. In diese Ortlosigkeit ohne festen
Grund fügt sich auch die Beschreibung einer Psychose ein.
Die
Familie hat eine Art, vor einander zu flüchten ... die sind
ja immer in allen Richtungen
das ist wie ein Mädchen auf einer grünen Wiese, das von einer schönen Blume zur nächsten geht und darüber wie Rotkäppchen so den Weg verliert
er ist immer unterwegs
sie schaukelt sich auch so hoch
steigert sich halt wieder in ihre Krankheit rein
sie war wieder ganz hin und weg
die Emotionen toben da alle wild unterschwellig
daß die Krankheit sie immer wieder anfällt, sie nennt es der Tiger (für: Psychose!)
Schub (für: Psychose)
die Nerven gehen ihm durch
er war völlig zerfahren
Fast
jede Familie wurde mit mehr als einem räumlichen Bild
beschrieben; ein "enges" Elternhaus stand dann nicht im
Gegensatz zu einer Spaltung der Familie oder zu Fluchttendenzen.
Diese Metaphorik korreliert mit der Hypothese der strukturellen
Familientherapie, diffuse Generationengrenzen seien eine Ursache
familiärer und psychischer Probleme (vgl. Amman 1980). Wir
können also die Funktion der Metaphorik als "affektiv-kognitive
Strategie der Komplexitätsreduktion" (Buchholz, v. Kleist
1995/3) beschreiben, die es den HelferInnen ermöglicht, die
vielfältige Beanspruchung und Wahrnehmung zu ordnen. - Wenn der
Ausgangsort als "unmöglicher" Ort konstruiert wird,
kann das Ende der Arbeit als lebenswerter Ort geschildert werden; so
sind "Ziel" und "Richtung" die räumlichen
Metaphern, die häufig wiederkehren. Im Gegensatz zur konkreten
Sinnlichkeit bedrückender Ausgangszustände sind die
Zielbilder abstrakter. Sie gehören zu dem wenig aussagefähigen
psychosozialen Jargon; der "Freiraum" opponiert der "Enge"
und "Verselbständigung" (also: selbst stehen) steht im
Gegensatz zu "anstehenden" Forderungen. Das Pathos
selbstbestimmter Bewegung ist zu finden; so konstruiert diese
Metaphorik eine neue Welt:
habe
versucht, ihr ein Experimentierfeld überlassen
sie ermutigt, eigene Schritte zu tun
das bedeutet einen Zugewinn an Raumerweiterung, Interessenserweiterung
das war immer mein Ziel, daß ich auf eine psychische Verselbständigung raus will
daß er wieder herauskommt auf eine gute Art
was also auch so einen kleinen Schubs bedeutet
wieder so ein kleiner Schritt in Richtung eigenständig sein
mehr Freiraum
in Richtung Veränderung auch gehen
so läuft es auch regelmäßig ... bei meinem regelmäßigen Vorgehen
Entsprechend
der Unwegsamkeit der Ausgangsorte ist nicht zu erwarten, daß
die Arbeit als Spaziergang metaphorisiert wird; es dominieren die
Metaphern des schwierigen Weges:
das
ging gar nicht
was in der Schule war und was da ansteht und daß sie da bitte Fach für Fach durchgehen soll
schon ziemlich festgefahren
von Spielregeln bis zu sozialen Regeln so ein Stück weit üben können
einiges schiefgelaufen
nach vier Monaten sind schon Schritte zu sehen
es muß zu Hause ablaufen
es war eine absolute Gratwanderung
bin ja immer hinterhergelaufen
bin ich nicht viel weitergekommen
da gab es vor einigen Wochen mal ein Ausrutscher
ist bei ihm angekommen, daß das ein ganz schmaler Pfad ist und nicht immer geht
berichtet, wie die restliche Woche lief
auf keinen grünen Zweig gekommen
jetzt irgendwas in die Wege zu leiten
Mit dieser Strukturierung durch
einen "engen Ausgangsort", einen schwierigen "Weg"
und einem "weitem Freiraum" als Ziel geben die HelferInnen
ihrer Arbeit einen normativen Hintergrund, dessen epistemologische
Implikationen zunächst nicht auffallen. Es scheint nach der
Logik der Bilder selbstverständlich, warum diese Reihenfolge zu
wählen ist. In dieser "operativen" Funktion (Buchholz,
v. Kleist 1995/3) steuert die Metaphorik also Situations- und
Selbstdefinition der HelferInnen wie auch die Rollen der KlientInnen,
die "auf den Weg gebracht" werden müssen. - Ein
Ausschnitt dieser Metaphorik beinhaltet explizit ein
Beziehungsgeschehen zwischen HelferInnen und KlientInnen. Bamberg
(1982/51ff.) hat darauf hingewiesen, wie Beziehungen durch räumliche
Relationen charakterisiert werden: "enge" Beziehungen;
"nahe" Verwandte (vs. "entfernte"), sie sind sich
"nahe gekommen"; sie hat mich "verlassen", wir
haben uns "getrennt", "auseinandergelebt", "auf
Distanz gehen", "aus dem Weg gehen". Wir erleben
Versuche, "einen gemeinsamen Weg zu finden"; es wird
geschildert, wie man bei den KlientInnen "ankommt", sie
"erreicht", "miteinander umgeht" oder aber diese
"ausweichen". Allerdings wird auch formuliert, daß
Nähe bedrohlich werden kann, wenn es "zu dicht" wird,
weil Klienten "wenig Distanz halten". Damit zeigt sich der
Orientierungswert dieser Metaphorik für die HelferInnen: Es ist
gut, "einen gemeinsamen Weg zu finden", bei den KlientInnen
"anzukommen", aber es darf nicht zu "nah" sein.
Die Beziehungskalibrierung geschieht als Einpendeln auf einem
imaginären Metermaß, bei dem das Optimum des Begleitens
offenbar in einer "nicht zu großen Nähe" zu den
KlientInnen markiert ist.
ich kann zur Zeit kaum eine Brücke zu ihm zu finden
ich kann meinen Klienten nicht erreichen
das kommt bei ihm aber nicht an
daß er gar nicht drauf einging ... er weicht dann aus
wir sind so verblieben
wir wissen, wie wir miteinander umgehen können
sie hält halt recht wenig ... Distanz
mir ist es zu dicht
war mir nicht möglich ... aufgrund von zu großer Nähe
Betreuungsdichte
Schaut man sich die Bilder an, in
welche die HelferInnen das Selbstverständnis ihrer Arbeit
ausdrückten, so wird eine Metapher sehr deutlich: "man
hat nie einen festen Boden unter den Füßen". Sie
erzählen, daß sie "naiv an die Probleme
herangegangen" seien, oft nicht gewußt hätten,
wie man damit "umgeht", und sich zu Supervisoren und
Ärzten "flüchteten". Der soziale und
psychische Bewegungsspielraum wird als unklar und unsicher
beschrieben, als "bewandert" oder "erfahren"
erleben sie sich selten. Diese metaphorischen Äußerungen
zeigen eine weitere, "evaluative" Funktion der Metaphorik:
Sie erlaubt es, Bewertungen und Gefühle zu kommunizieren
(Buchholz, von Kleist 1995/3).
Lakoff und Johnson gehen davon aus, daß Metaphern auf kognitiven Schemata aufsitzen, die als gestalthafte Universalien hinter jeder Sprache zu finden sind. Es handelt sich um nicht-propositionale, d.h. nicht-aussagende Muster, die sich nicht nach dem Subjekt-Prädikat-Objekt-Schema der Sprache richten. Es sind Schemata, die vorbegrifflich und bildlich unsere Wahrnehmung strukturieren; zu ihrer Herleitung verweise ich auf Johnson 1987/ 23f. (vgl. Schmitt 1995) und stelle nur die für das psychosoziale Helfen wichtigsten Schemata vor: Die Mächtigkeit der Weg-Metaphorik erklärt sich zum Teil aus dem dahinterstehenden source-path-goal"-Schema (Lakoff 1987/269ff.). Dieses "Ursprung-Pfad-Ziel-Schema" greift auf die körperlichen Erfahrungen seit der ersten Bewegung des einzelnen Menschen zurück und wiederholt sich fortwährend, indem wir uns von einem Platz zum anderen bewegen. Die Elemente dieser Struktur sind: ein Ursprung als Anfangspunkt, ein Ziel als Endpunkt, ein Pfad als Sequenz von sich jeweils anschließenden Räumlichkeiten zwischen Ursprung und Ziel, und eine Richtung zum Ziel hin. Die inhärenten Logik des Schemas beinhaltet, daß, um vom Ursprung zum Ziel zu kommen, jeder Punkt des Pfades berührt werden muß; je länger der Pfad ist, desto länger auch die dafür benötigte Zeit. Die vier Elemente dieser Struktur (Ursprung, Pfad, Richtung und Ziel) kehren in den Interviews in charakteristischen Metaphern wieder: Es gibt einen schwer zu ertragenden Ausgangsort, in dem die KlientInnen verharren; über einen "schwierigen Weg" werden sie in einen angenehmeren "Freiraum" "begleitet". Damit stellt dieses Schema ein Idealmodell zur Verfügung, das die Richtung des Hilfeprozesses angibt.
2.
Hilfe knüpft Bindungen
Beziehung wird oft als "Verbindung" im Wortsinn, als "Bindung", "Band" und "Strick" gedacht, mit denen man eine Person an sich "binden", "fesseln", "umgarnen" oder "verstricken" kann. Das Wort "Beziehung" hat als Verbstamm "ziehen"; "hängen" bezeugt ebenfalls die durch ein Band verknüpfte Beziehung und hat den weiten Bildbereich von "abhängig" sein, an jemand "hängen", bis zum affektiv neutralen kognitiven "Zusammenhang". Sehr wertend fallen dagegen Bilder für psychische Auffälligkeiten aus: Jemand ist "versponnen", "hat einen Webfehler" oder ist "schief gewickelt". Die aus dem technischen Bereich auf menschliche Beziehungen zurückübertragene Bildlichkeit des Schließens von Kontakten5 leitet sich von der im Umkreis der Elektrizität wirksamen Metaphorik von Kabel und Leitung ab ("eine lange Leitung haben"). Auch die Bindungsmetaphorik läßt sich in fast allen Interviews finden:
ich bin eine wichtige Bezugsperson für ihn
die ausländischen Kinder schließen sich halt irgendwie zusammen
daß er aus dieser ethno-bezogenen Isolation herauskommt
daß er sehr an mir hing ... um sich dann wieder wochenlang völlig zu entziehen
daß sich die Eltern völlig zurückziehen
daß sie sich so hängen ließ
ich habe einen ganz guten Kontakt zu der Familie
Die entsprechende und positiv
konnotierende Metaphorik der Arbeit wird dann formuliert als
"Kontakte knüpfen", "in Verbindung setzen"
und "einbinden", wenn die KlientInnen sich aus
"Verstrickungen" "lösen" können.
Linguistische Untersuchungen (Brünner 1987/104, Bamberg,
Lindenberger 1984/24) weisen daraufhin, daß die Metaphorik des
Webens einen wesentlichen Anteil der Bilder darstellt, mit denen wir
das Reden über Kommunikation konstruieren: ein "Gesprächsfaden",
der "abreißen", den man "aufnehmen", an den
man "anknüpfen" kann, um noch etwas "einzuflechten";
man "verhaspelt" und "verheddert" sich, "strickt"
die Argumentationen nach dem gleichen "Muster" oder
"entwickelt" eine These.
er muß sich ablösen
ich kann das Problem nicht für ihn lösen
ich muß das aufdröseln6
ich will, daß Juan Kontakte knüpft
ich muß das ja auch irgendwann bald abnabeln
mich mit dem schulpsychologischen Dienst in Verbindung gesetzt
daß ich sie woanders einbinde
daß sie vielleicht woanders Anbindung findet
sie ist schon unabhängiger
Ein
Zuviel an Bindung ist in dieser Metaphorik als Verstrickung und
Verwicklung darstellbar, die entsprechend lähmend wahrgenommen
wird:
der
JPD ist wie so eine Spinne im Netz, hat so die Fäden in der
Hand
das ist so heillos verstrickt
die Verstrickung bestand darin
an der Familie hingen noch mehr an Helfereinrichtungen dran
wenn ich nicht da bin, hängt er quasi vor der Glotze
hat mich absolut und voll in ihr Vertrauen hineingezogen
daß ich mich nicht in die Fänge und die Verwicklungen dieser Familie hinein begebe
das ganze Verhalten von meinem Klienten ist sehr abhängiges Verhalten
sie ist sehr eingeflochten ... in die Familie
Das
Verbindungs-Schema, das hinter diesen Metaphern steht, greift auf
frühe körperliche Erfahrungen zurück: auf die
Verbundenheit mit einem anderen Körper durch die Nabelschnur, an
den Händen gehalten werden, mit einem Seil oder einer Schnur
Dinge verbinden, ein Haustier an einer Leine hinter uns herziehen.
Dieses Schema läßt sich auch formal fassen: Die Elemente
dieser Struktur sind zwei Ganzheiten A, B und ein Verbindungsglied.
Die dieser Struktur inhärente Logik impliziert: Wenn A an B
gebunden ist, ist A beeinflußt und abhängig von B; dies
gilt auch symmetrisch: Wenn A an B gebunden ist, ist B auch an A
gebunden. - Die implizite Moral dieser Metaphorik lautet, daß
das "Isolieren" nicht, aber das "Schließen von
Kontakten" jedoch erwünscht wird; umgekehrt dürfen
"Verbindungen" nicht zu "Verwicklungen" führen.
Ähnlich der Begleit-Metaphorik wird auch hier für die
helfende Beziehung ein Interaktionsmodell der "mittleren Nähe"
sprachlich bereitgestellt.
3.
Helfen als Durchblicken und Klären
Zu den Schemata zählt Johnson das Hell-Dunkel-Schema (Johnson 1987/125f.). In der Alltagssprache nutzen Wendungen wie "Licht ins Dunkel bringen", "wir müssen das klären", "wir wollen sehen, wie es weitergeht" und "Klarheit schaffen" dieses Schema. Licht gilt als traditionelle Metaphorik von Wahrheit und "Einsicht" (Blumenberg 1960/26f.), man spricht von einem "hellen Kopf" oder einer "Erleuchtung". Das Gegenteil stellen "dunkle", unerforschte oder rational nicht nachvollziehbare Geschehnisse dar: Man kann sich "dunkel erinnern", das Mittelalter gilt als "dunkel", man sprach von einem "umnachteten" (psychotischen oder dementen) Menschen, und Politiker haben unter bestimmten Umständen einen "black-out". Ob letztere regelmäßig "unterbelichtet" sind, eine "Mattscheibe" oder einen "Knick in der Optik" haben, kann hier nicht untersucht werden, verweist aber auf die Fülle visueller Metaphern für psychische Phänomene. In den Interviews wird die zu erwartende Polarisierung und die implizite Handlungsanweisung dieser Bilder deutlich: Die Geschichte eines Falls und die Motive sind meistens "dunkel", und die Helfenden wollen "klären". Die visuelle Metaphorik dient drei Funktionen:
Die vieldeutige Situation, ihre Protagonisten und deren Ab- und Einsichten wird in den Erzählungen von der Arbeit sehr oft in der Polarität von Hell und Dunkel bzw. Klar und Unklar geschildert (metaphorische Reduktion von Komplexität, s.o.). Das Sehen wird intensiv metaphorisch genutzt, um eigene und fremde Auffassungen der Situation darzustellen:
es
war alles unklar, von der Unklarheit über Bedürftigkeit
bis ...
es gibt eine Sichtweise des Amtes
sehr kompliziert und manchmal auch unübersichtlich
den Blick doch etwas geschulter ... zu haben
der Bruder ist das Helle, die helle Kehrseite der Medaille, und der Kleine die dunkle
der sieht wirklich in jedem Tick gleich eine ganz schwere Neurose
ich habe früher mal damit geliebäugelt
hatten die üblichen Klischees im Kopf
habe auch nicht so den Durchblick
als ob er mich übersehen möchte
sie war sehr zuversichtlich
also sie war total einsichtig
die Frage ist, wie ihre Situation dann aussieht
Die
zeitliche Dimension des kognitiven Raums, also die Entwicklung der
Arbeit mit dem Kind oder der Familie, erstreckt sich zwischen den
Metaphern vom "Hintergrund" für die Vergangenheit,
"Vordergrund" für eine (fast) gegenwärtige
Situation und "Perspektive" (lat. perspicio: hindurchsehen,
genau betrachten) für Zukunft. Auch die Verben "klären"
und "überschatten" übertragen in der Veränderung
der Helligkeit die Wandlungen der helfenden Arbeit (evaluative
Funktion). Die Nähe zu räumlicher Beschreibung und die
Mischung der Metaphern des Sehens und der des Weges ("Sehen,
wie es weitergeht") ist oft zu beobachten.
weil
die Schulproblematik für die Eltern im Vordergrund stand
es klärte sich dann aber recht schnell auf
Es ist mir so klar geworden
daß ich schon dabei war, das recht verklärt zu sehen
das Thema des Mißbrauchs überschattet im Moment die Arbeit
nach vier Monaten sind ... schon Schritte zu sehen
die Perspektive sieht aus, daß...
im Hinblick auf weitere Einzelfallhilfen
nachdem sie sich in dem Zustand gesehen
daß es irgendwann nicht mehr zu übersehen war
Als
dritte operative Funktion dienen diese Bilder der inhaltlichen
Beschreibung der Arbeit: Den Eltern soll "etwas klargemacht"
werden, die Helferin will mit dem Mädchen dessen Verhalten
"angucken", und natürlich muß vieles "geklärt"
werden. Diese Metaphern verdeutlichen die Kommunikation zwischen den
Helfenden und ihren KlientInnen. Zunächst fällt ein
"Gucken" auf, das meistens gemeinsame Wahrnehmungsprozesse
verschiedenster Phänomene beschreibt; dann findet sich oft das
erwähnte autoritäre "klar-machen":
das
Agieren des Mädchens anzugucken
muß meine Ungeduld mit dem Mädchen in der Supervision klären
habe versucht, die Situation transparent zu machen
daß ich sehr genau darauf gucken muß
daß ich ... teilweise im Dunkeln tappe über diese Familie
zunächst mal Beobachtungen gemacht
Lese-Rechtschreibstörungen, klar, das ist ganz offensichtlich gewesen
Ein Ziel, also ein Wunschbild von mir wäre das schon
indem wir den Eltern erstmal klar gemacht haben
indem ich ihm zum Beispiel widerspiegele
4.
Hilfe ist Entlasten und Unterstützen
Die Wege-Metaphorik wird oft begleitet von Bildern der "schweren" "Belastung", welche die KlientInnen "tragen", "unter" der sie leiden, da sie "Symptomträger" sind, weil ihnen die Angehörigen zuviel "draufpacken", bis sie es nicht mehr "aushalten" und "zusammenbrechen". Die Metapher der Last bezieht ihre Einprägsamkeit von der ebenfalls räumlichen Oben-Unten-Dichotomie, dem up-down-Schema (Lakoff, Johnson 1980/14ff.), was sich in den entsprechenden präpositionalen Komposita "auf-", "über-", "nieder-" und "unter-" zeigt. Dieses Oben-Unten-Schema bildet den Hintergrund der Metaphorik von emotionalen "Hochs" und "Tiefs", sozialem "Auf-" und "Abstieg", moralischem "Hoch"-stehen und "Gefallensein". Wer "abhebt" und dann "im siebten Himmel schwebt", hat den "Boden unter den Füßen verloren"; das Gegenteil solcher euphorischen Verfassungen sind depressive Zustände der "Schwermut" und "Bedrückung". Auch diese Metaphorik zeigt eine implizite Norm: Hilfe führt zur "Erleichterung" und holt Klienten aus der Tiefe (dem "Loch") heraus. Auch für die HelferInnen gilt, daß viele "Belastungen" und "Schwierigkeiten" die Hilfe "erschweren".
die
Mutter ist völlig überlastet
sie leidet da auch drunter
die Niedergeschlagenheit der Mutter
das ist belastend genug für beide
die hat es unheimlich schwer
Symptomträger
das packt sie ja auch so auf ihre Kinder drauf
ich habe keine Unterstützung gefunden
kann ich manchmal auch nicht mehr aushalten
unser Schwerpunkt liegt auf Hausaufgaben und überhaupt auf schulischen Belangen
so schwerwiegende Sachen, daß die Einzelfallhilfe ein Tropfen auf den heißen Stein bloß ist
sie macht ihn jedesmal runter
In
dieser Bildlichkeit ist impliziert, daß die KlientInnen den
"schweren" Seiten des Lebens ausweichen und es sich
"leicht" machen. Die Last, wird in einer parallelen
Bildlichkeit erfaßt: Es geht darum, "daß sie ... ihr
Leben ein bißchen packt", kritisiert wird z.B.,
"daß die Eltern ... ihr eigenes Leben nicht ganz im
Griff haben". Die entsprechenden Metaphoriken der Hilfe sind
das (Mit-) Tragen von Last, (Unter-) Stützen und das
Erleichtern7:
sie
glaubt, da kann man einfach alles bei den Leuten abladen (für:
Erzählen)
habe mit ihr eine Menge Konflikte auch getragen
indem ich sie da unterstützt habe
war selber so erleichtert
Sozialarbeiterin hat sich schon sehr ins Zeug gelegt
die mich gestützt hat auch gegen die Supervision
ihn in seinen favorisierteren Fächern stützt
sie braucht auch ... die Entlastung von der Halbschwester
Ich
habe die Bilder der Last zu Beginn dieses Abschnitts in den Kontext
der Wege-Metaphorik gestellt: Belastung wird als Gepäck auf dem
Lebensweg wahrgenommen. Last hat allerdings noch andere
Implikationen, die in den Verben "stützen", "tragen"
und "halten" angelegt sind: Sie übertragen körperliche
Aktivität auf die Sprache des Bauwesens, dort gibt es "Stützen"
und "Träger"; in der Literatur wird auf die Metaphorik
"Sprechen ist Bauen" verwiesen (Brünner 1987/104). Ich
werde dies weiter unten genauer beschreiben.
5.
Hilfeist Nachhilfe
Ein komplex zusammengesetztes Metaphernfeld ordnet sich um das Verhältnis von Einzelfallhilfe und Schule. Bei der Bedeutung, die Schule für den Tagesablauf der betroffenen Kinder hat, und wenn man berücksichtigt, daß viele Kinder erst in der Schule auffallen oder so auffällig werden, daß die Familien- oder Behindertenfürsorge eingeschaltet wird, ist die umfassende Präsenz von Bildern, die dem Interaktionsfeld Schule entstammen, zu erwarten. Die Metapher "Einzelfallhilfe ist Nachhilfe" ist die konkreteste der bisher gefundenen und stellt am reinsten den Typus der konzeptuellen Metapher dar: Ein Begriff (hier: Einzelfallhilfe) wird in Bildern eines anderen (hier: Schule) beschrieben. Die in ihr enthaltene Idealvorstellung und Handlungsanleitung findet sie in denen der Schule: "Gute Noten", "brave Schüler" und "Leistungen". "Aufgelockerte" oder "strengere" Handlungsstile finden sich, die Rede ist vom "Pensum", das man mit den Kindern "zu üben" hat. Die Wahl der schulischen Leistungen als Schwerpunkt der Hilfe ist jedoch keinesfalls zwingend, denn wegen Leistungsmängeln wird keine Einzelfallhilfe bewilligt; "Schule" stellt eher ein Muster bereit, auch andere Schwierigkeiten als solche fehlenden oder fehlgeleiteten Lernens wahrzunehmen und zu behandeln. Es darf nicht übersehen werden, daß psychische Phänomene oft auch dadurch erklärt werden, daß man "lernen" muß, wie man z.B. mit Emotionen und Schicksalsschlägen umgehen kann; dies betrifft nicht nur naive umgangssprachliche Selbstkonzeptualisierungen von Psychotherapieklienten (v. Kleist 1987), sondern auch die Verhaltenstherapie als "Lerntheorie". - Zunächst fällt die polare Metaphorik eines "strengen" und "lockeren" Umgangs mit den Kindern und ihre Beschreibung als "brav" und "verlogen" auf:
Schularbeiten
sind nicht so streng jetzt
Wir machen das auch ziemlich aufgelockert
nicht mit der Peitsche dahinter stehen und ihn antreiben
je strenger ich dort auftreten würde und um so rigider ich jetzt Fernsehen als etwas Unmoralisches ihnen aufoktroyieren werde, um so mehr würden die heimlich gucken
war ein sehr braver, folgsamer Junge
andere Übungen machen zu wollen
das hat er nie gelernt
sie hat es wieder verlernt, mit sich zurecht zu kommen
In den
durch Schule evozierten Bildern der helfenden Arbeit dominieren
Substantive wie: "Übung", "Pensum",
"Aufgabe", "Programm", "Leistung".
Damit betont diese Metaphorik die optimistische Haltung, durch
systematisches Üben Veränderungen herbeiführen zu
können (metaphorisches "highlighting", Lakoff, Johnson
1980/10f). In den Interviews läßt sich jedoch zeigen, daß
Hilfe ohne Eingehen auf die psychischen und sozialen Eigenarten der
Kinder erfolgsarm und frustrierend wird; diese Phänomene werden
in dieser Metapher ausgeblendet (metaphorisches "hiding",
ebd.).
Stoff
durchgenommen
das ist jetzt ihre Aufgabe, mir zu berichten
Sie arbeitet nicht immer gut mit
er kam pünktlich, hat fleißig geübt daß sie in der Schule stabiler würde
normales Programm ... habe das halt jetzt so eingerichtet
nehme mir für jeden Tag ein bestimmtes Pensum vor
Konzept ein bißchen umgestellt
auf die Schulleistungen konzentriert
einerseits alte Rückstände aufzuholen, andererseits mit der Schule Schritt zu halten
versuche gar nicht erst, .. aus den Jungs gute Schüler zu machen
Verbesserung der Noten kann ich nicht garantieren
Modellernen
Belohnung
Bestrafungsverfahren
6.
Hilfe als Produktion
Eine Metaphorik, die zunächst so sehr "tot" zu sein scheint, daß sie nicht auffällt, findet sich in Redeweisen vom "arbeiten", "machen", "tun": "ich habe im Kinderladen gearbeitet", "was die Arbeit anbelangt", "wir haben keine Hausaufgaben zu machen". Diese Worte scheinen so neutral, daß sie kaum als Bilder zu begreifen sind: Wie sollte man diese "Arbeit" sprachlich anders fassen? Auffälliger wird der Bildcharakter erst in folgenden Formulierungen, daß Kontakte und Beziehungen "hergestellt" wurden, bestimmte Bedingungen "produktiv" oder "kontraproduktiv" waren und Konflikte "bearbeitet" wurden - an diesen Formulierungen wird dann deutlich, daß ein handwerklicher Produktionsprozeß als Wahrnehmungsfolie über die helfende soziale Interaktion gelegt wird. Gehe ich von dieser Interpretation aus, so verliert das "Machen" von Hausaufgaben und das "an Konflikten arbeiten" seinen buchstäblich-realen Schein und wird als bestimmtes Wahrnehmungsmuster deutlich: Hilfe stellt sich auch als (gemeinsames) Herstellen von Objekten dar. Es ist gar nicht alles aufzählbar, was "gemacht" wird: Spaß, Psychologie, Erfahrungen, Studium, Einzelfallhilfe, Hausaufgaben, die Schotten dicht und eine Krise durch, eine Situation klar und Auseinandersetzungen transparent, Therapie und traumatische Erfahrungen, das Leben schwer oder die Arbeit leicht, das Fernsehen aus und die Geschwister fertig, Supervision und Sinn: Alles wird "gemacht". "Arbeiten" zeigt mit einer Fülle präpositionaler Komposita die Reichweite dieses Musters: nacharbeiten, aufarbeiten, bearbeiten, hinarbeiten auf, zusammenarbeiten, durcharbeiten, Konflikte verarbeiten und sich an Einstellungen abarbeiten. Ist der Blick so für das Handwerk geschärft, erinnert man sich auch an Bilder für Verrücktheiten, die den Menschen einer defekten Maschine gleichsetzen: Jemand "tickt nicht richtig", "rastet aus", hat "ein Rad ab", vielleicht ist auch nur "eine Schraube locker", auf jeden Fall hat er eine "Panne". Selbstverständlich erscheint der Helfer in Gestalt des "Seelen-" oder "Psychoklempners" in dieser handfesten Metaphorik der "Behandlung".
Die implizite Handlungslogik dieser Metaphorik ist einfach und klar: Vom "unbearbeiteten" zum "durchgearbeiteten" Problem, vom Material zum Endprodukt, was immer das sei: Hausaufgaben, Schwierigkeiten, Unternehmungen; von der vorhandenen Arbeit zum Ende der Arbeit: "Rückstände aufarbeiten". Die folgende unvollständige Sammlung von Beispielen betont die alltäglichen Varianten dieser Metaphorik:
mit
ihr für die Schule etwas zu machen
die genauso arbeiten wie ich
Es gibt so unterschiedliche Arbeitsaufträge
da gab es keine weitere Zusammenarbeit
was du eben auch wirklich in die Praxis umsetzen konntest
da haben wir den Richter durchgearbeitet
da mußte er diese Begriffe noch mal aufarbeiten für die Arbeit
habe mir Material geben lassen, das ich mit den Jungs bearbeite
was ich mit ihnen mache, ist hauptsächlich, nacharbeiten
ich versuche wirklich, alte Rückstände aufzuarbeiten
hätte mir gewünscht, daß ich mehr mit ihr zusammenarbeiten kann
daß ich darauf hinarbeite, daß er zu Hause auszieht
auch wenn es schwer ist, vom Arbeitsanfall her
ich habe mal eine Weile Therapie gemacht
außerdem hat Juan da mal so eine traumatische Erfahrung gemacht
der hat eine absolute Arbeitsverweigerung gemacht
die hat mir auch viel Freude gemacht
da hat man keine Vorstellung davon, was sie durchmacht
zum Beispiel mußte ich mich ja auch erst sachkundig machen
daß ich sie damit auch nicht fertig machen will
die machen ja auch Supervision
sonst würde Einzelfallhilfe keinen Sinn machen
mich langsam überflüssig zu machen
ob er die Schule schafft oder nicht
Die
Metaphorik eines bestimmten Handwerks kann ebenfalls dazu dienen,
KlientInnen, die Arbeit und sich selbst zu beschreiben. Sie
verbildlicht das Ergebnis des Sprechens meist als Bau(hand)werk
(Brünner 1987/104). Beispiele wären: "Bauformen"
des Erzählens, "Satzbau", "Aufbau" des
Kapitels, das "Elaborieren" heuristischer "Konstrukte",
das schwierige "Rekonstruieren" einer Bedeutung, eine
Behauptung "abstützen" und eine These "untermauern".
Typisch für das Helfen ist die Redewendung vom Auf- und Ab-Bauen
und dem Gegenteil):
er
hat ziemlich abgebaut
jetzt macht sie den zweiten, den Aufbaukurs
systematisch so ein Stück weit das abbauen, diese Angst
daß sie da zusammenbricht
Die
hier angedeutete Bildwelt des Haus(bau)es ist durch die der Last und
Stützung und durch die unten folgende Bildlichkeit des Menschen
als Behälters zusammengesetzt und zweifach determiniert. Durch
diese Überlappung der Schemata in der Bildlichkeit des Hauses
eignen sie sich z.B. als Muster der Selbstbeschreibung, wie v. Kleist
1984 am Beispiel einer Psychotherapieklientin rekonstruiert hat, die
anderen die "Türe vor der Nase" zuschlug und die
Prüfungssituationen so erlebte, daß bei ihr die "Rolläden
runtergingen".
7.
Helfen ist Einmischen & Abgrenzen
Ein weiteres Schema greift auf das tief verwurzelte Muster der abgeschlossenen Körperganzheit, das "Container"-Schema zurück. Der Mensch wird damit als relativ abgeschlossener Behälter aufgefaßt; so kann Interaktion als "sich öffnen" oder "sich verschließen" begriffen werden. Übertragene Formulierungen wie "Verletzen" und "Grenzen ziehen" machen deutlich, daß wir das Erlebnis des inneren Raums auf soziale Verhältnisse übertragen. Am drastischsten wirkt diese Metaphorik zur Bezeichnung psychischer Krisen, wenn formuliert wird, jemand sei "nicht ganz dicht", habe "einen Sprung in der Schüssel" oder gar einen "Ausbruch": Das Behälterschema figuriert psychische Ganzheit als (relative) Abgeschlossenheit. Formal gefaßt: Die drei Elemente dieser Struktur, die Lakoff benennt, sind ein Inneres, ein Äußeres und eine Grenze. Die Logik dieses Schemas gibt vor, daß Dinge entweder im Behälter oder außerhalb sind.
Auch diese Metaphorik bietet eine Norm des Helfens an: Wer "verschlossen" ist und "zu", dem kann man helfen, "offener" zu werden; wer aber "keine Grenzen" kennt oder gar unter "fließenden Ich-Grenzen" leidet, dem müssen Grenzen gezogen werden oder er braucht einen "festen Rahmen". Psychisch und sozial integriert scheint eine Person, die als "halboffener Raum" beschrieben werden kann. Die Metaphern, in denen KlientInnen und ihr Umfeld wahrgenommen wurden, oszillieren daher zwischen fehlender Grenze und Verschlossenheit. Zunächst die Bilder für "verschlossene" KlientInnen und Familien:
er
rückte erstmal gar nicht so genau raus, was Sache ist
hat sie ja ständig abgeblockt
bis zum Hals zugeschnürt
Johanna hat ganz schnell die Schotten dicht gemacht
daß die Eltern so die Jungs gegen die böse Außenwelt ... immer schützen wollen ... daß sich die Familie so ein Schutzpanzer zugelegt
sich von der Schule oder anderen Institutionen abschotten
Art und Weise, wie die Familie ... gegen die Außenwelt zusammenhält
das hat sie nicht sehr offen gemacht
er hat die Nase gestrichen voll von Therapie
... dann macht die dicht
Die
gegenteiligen Metaphern haben eine positive Konnotation, wenn es
darum geht, "aufgeschlossen" zu sein; eine negative Färbung
bekommen sie, wenn eine Person aus einer Familie "herausfällt"
oder sonst "keine Grenzen" kennt oder hat, sich z.B. in
psychotischer Weise nicht gegen Halluzinationen ("Stimmen")
abgrenzen kann:
der
Bruder ließ nichts mit sich machen, während der Kleine
keine Grenzen kennt
die Stimmen der Frau reden ihr ja auch ein, Rabenmutter zu sein
hat so gesprüht vor Leben
da hat sie dann die ganze Zeit erzählt und gesprudelt
sie ist jetzt offener
im Gespräch mit der Halbschwester kam total viel raus
so steigt er auf alles ein, und er kann also sehr aufgeschlossen allem gegenüber sein
daß sie [die Mutter] ja irgendwo so ein Ventil hat
daß der immer wieder ein Stück aufgemacht hat
wobei sie sich total verausgabt
Helfende
beschreiben ihre Arbeit selten als "offen sein", das
gesprächstherapie-ähnliche abwartende Züge hätte.
Sie nehmen statt dessen ihre Aktivität als "Einmischen"
wahr, besonders dann, wenn KlientInnen als "verschlossen"
beschrieben wurden; sie "intervenieren" (lat.: hineingehen)
und versuchen sich "einzubringen". -
Grenzen werden da gezogen, wo Helfenden sich zu sehr "hineingezogen"
fühlen oder die Betroffenen "sich nicht abgrenzen können".
Die körpernahen Bilder vermitteln die Heftigkeit der beteiligten
Emotionen beim Überschreiten persönlicher Grenzen:
wenn
ich von vorneherein das abblocke
der grenzt sich nirgendwo ab, deswegen finde ich es wichtig, daß er Grenzen erfährt
er kommt also nicht auf den Gedanken, daß man sich hier zurückhalten sollte
nicht zu persönlich da in die Familie hineinzugehen
kann ich mich auch in vielen Sachen schwer abgrenzen
von daher sträuben sich meine Nackenhaare zum Teil
sich die Frau irgendwie vom Hals zu schaffen
habe versucht seine Wut ihm aus der Nase zu ziehen
man wird trotzdem einfach so von der Familie aufgesaugt
Eine
abstrakte Variante der Behälter-Metaphorik kommt da vor, wo die
Arbeit als eine Beziehung von Druck und Gegendruck, als ein
Verhältnis von Machtmitteln, um auf den geschlossenen Anderen
einzuwirken, begriffen wird. Häufig wird diese Metaphorik auch
in entsprechenden präpositionalen Verbindungen benutzt, um
Wahrnehmungen in kinästhetischer Form zu beschreiben; sich
"bedrückt" fühlen ist eine gängige
Redewendung8,
es fanden sich häufiger: "das ist auch ein Ausdruck
ihrer eigenen Situation", "so habe ich den Eindruck".
Grenzen können so weniger gut, dafür ein Eingreifen
deutlicher benannt werden, wenn die HelferInnen "Druck"
ausüben und "Druckmittel" einsetzen.
8.
Helfen ist Geben (und Nehmen)
Eine Metaphorik, für die bei Lakoff und Johnson kein eigenes Schema zu finden ist, die statt dessen den metaphorischen Mechanismus der Vergegenständlichung extensiv nutzt, ist die des "Gebens und Nehmens". Das konkrete Geben und Nehmen wird dabei übertragen auf Immaterielles: Oft wollen HelferInnen den KlientInnen Hilfen "anbieten", während diese "wenig haben" vom Leben, Unterstützung "fehlt" oder die KlientInnen etwas "ganz anderes wollen", "kriegen" und "bekommen". Die Vergegenständlichung besteht darin, daß komplexe Teile unserer Erfahrung als einfache Objekte und Wesen identifiziert werden, daß wir z.B. "Zuwendung", "Liebe" als diskrete Entitäten behandeln. Verdinglichende Metaphern des Gebens und Nehmens erlauben uns, physische und psychische Erfahrungen des intersubjektiven Austausches zu benennen und bestimmte Aspekte aus diffusem Erleben zu isolieren. Wir finden Quantifizierung der Zuwendung (eine Menge, viel, wenig), substantivierte Beschreibung derselben ("sie wollte "die Liebe" ihrer Mutter") und deren Abkürzung durch Pronomina als Statthalter ("das", was geboten wird).
Diese Metaphorik dominiert die öffentliche Diskussion über psychosoziale "Versorgung": Die Betroffenen "fehlt" X, und die Helfer "versorgen" sie mit diesen fehlenden X. Damit wird ein normierendes Ziel des Hilfeprozesses im "Auffüllen des Defizits" durch das Bild vorgegeben. Allerdings ist auch zu beobachten, daß die Metaphorik des Gebens und Nehmens im Zusammenhang mit Defizitvorstellungen die Hilfe zu einem "Faß ohne Boden" werden läßt; der in dieser Metaphorik angelegte "Ausgleich" ist nicht erreichbar, wenn die KlientInnen als defizitär wahrgenommen werden, die HelferInnen fühlen sich bald ebenfalls "leer" und verschlissen. Zur Beschreibung des "Helfersyndroms" nutzt Schmidbauer (1977) diese pathologische Entgleisung der Geben-Nehmen-Metaphorik. Das dabei gezeigt Defizit-Modell bestimmt den Diskurs über psychische Krankheiten ebenfalls: Wer "nicht mehr alle Tassen im Schrank", nicht mehr "seine Sinne beisammen" oder den Verstand "verloren" hat, dem ist psychische Gesundheit wie ein zu besitzender Gegenstand abhanden gekommen. Psychosoziale Hilfe wird zum Versorgungs- und Tauschgeschäft:
da
biete ich ihr dann an
versuch das ihr auch so ein Stück weit zu überlassen
die Mutter möchte gerne Verantwortung abgeben, sie möchte gerne Austausch, ... sie möchte eigentlich ganz viel, sie möchte ganz viel Unterstützung, ... sie möchte ... Verständnis, manchmal auch ganz praktische Dinge
daß er auch was anderes sieht und mitkriegt
es bringt eben nichts
daß er mich dann gar nicht mehr so nötig hat
das hat der Sozialarbeiterin das eine oder andere graue Haar gekostet
ich versuche ihm beizubringen
in welchem Amt Hilfsangebote sind
das Mädchen hat heute auch eine Menge gekriegt
eine Frau, die so wenig gehabt hat von ihrem Leben bisher
ich müßte aber den Eltern wieder einen Ersatz anbieten
diese ganze Zuwendung fehlt
HelferInnen
beschreiben sich ebenfalls durch Geben und Nehmen, auch hier findet
sich die Verdinglichung von Zuwendung, Interesse und Aufmerksamkeit
zur Tauschware. Sie bekommen "keine konkreten Aufträge"
und "müssen sich zusammenklauben", was sie machen,
sind empfänglich für "Gesprächsangebote" und
wollen Rat "bekommen":
also
das bringt mir eine ganze Menge
solche Fälle würde ich auch nicht mehr gerne annehmen wollen
daß ich keinen klaren Auftrag vom Bezirksamt bekommen habe
kein konkreter Auftrag vom Bezirksamt dagewesen
Ich habe dann versucht, noch mehr Informationen zu besorgen
das einzige Ausführlichere, was ich dann noch bekommen hatte
ich mußte mir also selber zusammenklauben, was ich mache
habe mir da auch Material geben lassen
wenig an wirklich hilfreichen Reaktionen bekommen
Von der Gruppe hatte ich da wenig, ... da hat mir nie jemand ... einen Rat gegeben
die Ärztin hat weitere Gespräche angeboten
Die
Metaphorik des Gebens und Nehmens kann so stark wirken, daß
sich HelferInnen als "Ersatz" für Defizite der
familialen Sozialisation begreifen: "so das ein kleines bißchen
zu ersetzen, was ... das Kind zu Hause ... nicht hat." -
Oben wurden mit "Enge und Unbeweglichkeit", der in Fronten
zerrissenen und der auseinanderfallenden Familie drei Bilder
entworfen, die oft mit der Metaphorik des Defizits an Zuwendung und
adäquater Anregung zusammen zu finden waren.
9.
Der Raum des Redens: Hilfe als Ansprechen und Reden über ...
Die Metaphern des Redens herauszufinden heißt, sich auf die mit den Verben des Sagens und Sprechens verbundenen Präpositionen (mit, über, an-, von, aus-,) zu konzentrieren, um die damit verbundenen bildlichen Schemata herauszufinden. Bamberg 1982 verweist im Anschluß an Habermas 1976 darauf, daß das "Reden mit" und das "Reden über" zusammengehörige, wenn auch analytisch trennbare Bestandteile einer jeden Sprechhandlung sind. Analog zu Searles Trennung von illokutionärer und propositionaler Anteile derselben unterscheidet Habermas zwischen der
"a)
Ebene der Intersubjektivität, auf der Sprecher und
Hörer sich durch illokutive Akte die Beziehungen herstellen,
die ihnen erlauben, sich miteinander zu verständigen, und
b) der Ebene der Gegenstände in der Welt, über die sie sich in der durch a) festgelegten kommunikativen Funktion verständigen möchten.
Ein Sprechakt kann nur gelingen, wenn die Beteiligten die Doppelstruktur der Rede ausfüllen und ihre Kommunikation auf beiden Ebenen gleichzeitig führen: Sie müssen die Kommunikation eines Inhalts mit der Metakommunikation über den Verwendungssinn des kommunizierten Inhalts vereinigen."(Habermas 1976/334 in Bamberg 1982/62, Hervorhebung im Original)
Diese Unterscheidung, sehr ähnlich derjenigen, die von Watzlawick et. al. (1982 /53f.) zwischen Beziehungsaspekt und Inhaltsaspekt jeder Kommunikation vorgenommen wird, läßt sich anhand der genannten Präpositionen9 belegen. Sie generieren räumliche Schemata, auf die sich Beziehungserfahrungen projizieren lassen. Im folgenden sind daher mehrere Metaphern des Redens zusammengefaßt, denen der Rückgriff auf Raumvorstellungen gemeinsam ist.
Das
"Reden mit" impliziert das Verbindungs-Schema im Sinne der
obigen Beispiele: Ich hatte dies als Beziehungsmetaphorik
herausgearbeitet (Abschnitt 2). Am deutlichsten wird dies jedoch in
der Redewendung, ein Gespräch "anzuknüpfen" oder
diese "Verbindung" wieder zu "unterbrechen".
Häufiger ist jedoch das unbestimmte "mit". In diesem
Sinne bezeichnet "Reden mit" eine Arbeit an der Beziehung
auf der gleichen räumlichen Ebene ohne Über- und
Unterordnung: "Er wollte mit der Rektorin
reden", die Mädchen "haben mit irgendwelchen Jungens
geredet", "dann habe ich mit der Gruppenerzieherin
gesprochen".
Das
"Reden über" stellt eine andere Situation her: Während
das gemeinsame Interesse der Kommunizierenden hier implizit ist,
stellt die Präposition "über" eine räumliche
Ordnung her: Das Thema wird "unter-"geordnet, was besonders
deutlich wird, wenn "über" andere Menschen geredet
wird. Das "Reden-über" kennzeichnet einen Diskurs, in
dem nicht erzählt, sondern unterschiedliche Standpunkte
verhandelt werden. Die Distanzierung vom Objekt, "über"
das geredet wird, ist deutlicher als im "Reden mit". Diese
Metaphorik strukturiert Interaktionen und macht deutlich, daß
anders als in einer Therapie nicht "von" und nicht "viel"
erzählt wird, sondern "über" praktische Probleme
und den Umgang mit ihnen, wobei die EinzelfallhelferInnen meistens
nicht therapeutisch-neutral sind:
dann
hatte ich auf dem Schulweg mit ihr über diesen Schultag
gesprochen
Wenn du mit mir nicht darüber redest, redest du dann mit deiner Therapeutin darüber?
auch jetzt sprechen sie nicht drüber
er spricht in Anwesenheit von dem Kleinen über die Kleinen
"An-sprechen"
verdeutlicht eine andere Beziehungsqualität: Zunächst ist
eine deutlichere Unterscheidung der Sprechenden zu finden als beim
gemeinsamen "Reden über"; anders als beim "Reden
von" und dem "Reden über" geht es hier weniger um
ein Drittes, "von" dem oder "über" das
erzählt wird, als um einen "An-spruch" von einem der
Sprechenden an den Anderen. So ist im "An-sprechen" eine
Beziehung impliziert, in der ein/e SprecherIn mehr oder anderes weiß
als der/die Zuhörende und die Rollen von ZuhörerIn und
ErzählerIn klar strukturiert sind: "Ich habe versucht, ihn
darauf anzusprechen." Die Substantivierung des
Ansprechens zum "Anspruch" zeigt einen weiteren
Bedeutungsbereich im Sinne weitergehender Erwartungen an sich und die
Anderen: "Den Anspruch habe ich immer noch", "ich
stelle auch gar keine Ansprüche an sie außer daß sie
ein bißchen mitübt".
Die ähnliche benutzte Metaphorik des "Ansagens" im Sinne des Ankündigens behält die gleiche Rollenverteilung bei, der einseitige Impuls ist in der Metaphorik des "Gespräche-führens" ebenfalls zu finden. Eine Steigerung des "Anredens", das "an" die Grenzen des Anderen herangeht, ist ein Reden, das die Grenzen der anderen Person überschreitet und "ein-" oder "hinein-"redet, eine Grenzüberschreitung, die bis ins Psychotische gehen kann:
inzwischen,
denke ich, ist etwas anderes angesagt
war ... fast schon Meuchelmord angesagt
daß ich mit dem Mädchen ein Gespräch darüber führe
die Stimmen der Frau reden ihr ja manchmal auch ein
die Eltern reden mir nicht so direkt da hinein
Im
"Reden über" war ein weiteres Objekt neben den
Kommunizierenden aufgetreten, "über" das geredet
wurde. Eine davon völlig verschiedene, aber ebenso räumliche
Kennzeichnung erhalten Objekte, "um" die "herumgeredet"
wird, oder, wenn es sich um adversive soziale Kontexte handelt, aus
denen man sich "herausredet". Die Sprechenden werden
räumlich auf die gleiche Ebene geholt und stehen nicht mehr
"darüber", dem "Ansprechen" der Helfenden
begegnen die KlientInnen mit ausweichendem verbalen Verhalten:
daß
sich die Eltern .. um vieles herumreden und herausreden
daß der Patient irgendeine Ausrede, eine Entschuldigung, ein Ausweichen verbal vorbringt
daß ich seine sich immer wiederholenden Einwände stoppe
er redet an mir vorbei
er geht sofort zum nächsten Thema
Das "Herum-" und
"Heraus-reden" ist so das ausweichende komplementäre
Beziehungsverhalten zum eingreifenderen "An-sprechen". - Im
Vergleich mit den von Linguisten gesammelten Metaphernfeldern fällt
auf, daß bestimmte Metaphoriken hier nicht auftauchen. So kommt
die Metapher "Sprechen ist Kampf" in den Interviews nicht
vor; offenbar ist in den unten zitierten Beispielen des An-sprechens
und des Ein-, Herum- und Ausredens eine für den psychosozialen
Bereich adäquatere Rhetorik der Auseinandersetzung zu finden10.
Es wundert ein wenig, daß nur einzelne Anteile der in der
Literatur immer wieder beschriebenen "Conduit"-Metapher
auftauchen. Diese basiert auf der Container-Metapher in dem Sinn, daß
Personen als Empfänger und Sender einer Botschaft "Behälter"
sind, die "hohl" sind oder "ein reiches Innenleben"
haben, "zu" und "offen" sind, die etwas
"aussprechen" oder "aufnehmen", denen Worte
"herausrutschen" oder an denen Vorwürfe "abprallen".
Zwischen beiden existiert nun ein "Kanal", auf dem man
etwas "rüberbringt", wenn man einen "Draht"
zu demjenigen hat, falls der andere keine "lange Leitung"
hat, die den "Informationsfluß" behindert. Brünner
1987 weist darauf hin, daß es sich hier um eine im technischen
und linguistischen Bereich entwickelte Metapher handelt; sie konnte
sich offenbar in dem von mir untersuchten Texten nicht durchsetzen11.
Eine deutliche Idealvorstellung oder Norm des Handelns ist nicht zu finden; das Ziel des Redens scheint in sich selbst zu liegen, in der gelingenden Kommunikation, wenn es gelungen ist, "über" etwas "mit" den KlientInnen zu sprechen und schwierige Themen "anzusprechen", ohne daß diese sich "herausreden".
10.
Skizzen zur Methode
Hier kann keine Einführung in Präsuppositionen qualitativen Forschens (vgl. Bergold, Flick 1987) gegeben werden; die Methode der Metaphernanalyse kann an dieser Stelle nur skizziert werden (Schmitt 1995), zumal unterschiedliche Umgangsweisen existieren (Buchholz 1993b, Buchholz, v. Kleist 1995):
Eine erste "Regel" ist
die, bei der Erforschung konkreter sozialer Welten das Vorgehen in
drei Phasen zu teilen.
a. Zunächst ist eine linguistische "Feldforschungsphase" notwendig: Eine solche unsystematische Vorstudie sammelt im obigen Fall Sprachbilder von KlientInnen, HelferInnen ebenso wie Metaphern der theoretischen Publikationen zum Thema, läßt Synonymlexika und Zeitungen nicht aus, gleichsam botanisierend und ohne konkrete Fragestellung und methodische Einschränkung. Erst nach einer solchen Feldstudie ist der Aufwand einer systematischen Metaphernanalyse bei der Beschreibung eines bestimmten Kollektivs sinnvoll, denn sie gibt den Horizont möglicher Metaphern vor und erlaubt abzuschätzen, ob weitere Interviews oder Textanalysen weitere Metaphern erbringen.
b. In der systematischen Analyse griff ich statt auf eine Repräsentativität der Interviews auf die Prinzipien der maximalen Variation der Perspektive und der theoretischen Sättigung nach Glaser, Strauß 1967 zurück. Mögliche Perspektivenunterschiede ergaben sich aus den Phänomenen Alter und Geschlecht der HelferInnen, primäre Ausbildung, therapeutische Zusatzausbildung, Problematik der Klienten und Dauer der Hilfe - darauf verweisen die Forschungen zur ähnlichen Familienhilfe (Nielsen et al. 1986, Kreft, Müller 1986). Es ging nicht darum, die Unterschiede zwischen diesen Gruppen herauszufinden, sondern ein umfassendes Gruppenbild zu erzeugen; gesucht wurden daher InterviewpartnerInnen, die jeweils ergänzende Eigenschaften zu dem bisherigen Sample aufwiesen.
Alter: Da anzunehmen ist, daß professionelles Helfen sich durch Lebens- wie auch Berufserfahrung verändert, war es wichtig, an Interviewpartner jeden Alters heranzutreten. Zwischen 20 und 30 Jahren alt waren drei HelferInnen; zwischen 30 und 40 vier und über 40 Jahre zwei HelferInnen.
Geschlecht: Geschlechtsspezifische Einflüsse auf das Helfen werden von Nielsen et al. ebenfalls diskutiert (ebd./65), sie verweisen auf die häufige Familiensituation alleinerziehender Mütter, in der männliche Helfer andere Versorgungswünsche ansprechen als weibliche. In der Studie befanden sich zum Schluß 6 Helferinnen und 3 Helfer.
Primäre Ausbildung: Die fachlichen Dispute um den richtigen Ansatz in der Einzelfallhilfe (vgl. Schmitt 1988) legten nahe, sowohl (sozial-)pädagogisch wie psychologisch ausgebildete HelferInnen unbedingt zu berücksichtigen. Drei PsychologInnen, zwei SoziologInnen, drei SozialpädagogInnen und Pädagogen und eine Hochschulabsolventin mit einer Berufsausbildung repräsentierten unterschiedliche primäre Ausbildungen.
Therapeutische Zusatzausbildung: Das gleiche galt für die nicht unumstrittenen therapeutischen Zusatzausbildungen. Eine oder mehrere therapeutische Zusatzausbildung hatten vier InterviewpartnerInnen, die anderen fünf TeilnehmerInnen nicht. Gesprächspsychotherapie war zweimal vertreten, zweimal Familientherapie, einmal eine individualpsychologische Variante der Psychoanalyse sowie die Verhaltenstherapie.
Problematik der Klienten: Naheliegend ist, daß unterschiedliche Multi-Problemkonstellationen unterschiedliche Muster des Helfens evozieren. Gesucht wurde zunächst im Kernbereich der Einzelfallhilfe, d.h. der Vermittlung über die Bezirksabteilungen Jugend und Sport. Bei den darüber betreuten Kindern und Jugendlichen fanden sich schulische Leistungsprobleme (5 Interviews), Verhaltensauffälligkeiten im sozialen Bereich (5 Interviews), psychische und psychosomatische Symptome (Stottern, Einkoten, Hyperaktivität, Mutismus, Aggressivität; 3 Interviews), sexueller Mißbrauch (1 Interview), familiäre und soziale Belastungen (Tod oder Abwesenheit eines Elternteils, Immigrationsprobleme, zerrüttete Beziehungen, Sozialhilfe als Einkommensquelle; 7 Interviews, jeweils Mehrfachnennungen). Da Einzelfallhilfe zunehmend auch im Bereich psychisch kranker Erwachsener eingesetzt wird (Eichenbrenner 1992, ötv 1989/6), waren zwei Interviews den HelferInnen gewidmet, die sich um chronisch psychisch kranke Menschen kümmerten.
Dauer der Hilfen: Auch die Dauer der Fallarbeit konnte die Bilder vom Helfen modifizieren. Bis zu einem Jahr dauerten vier Hilfen zum Zeitpunkt des Interviews, ebensoviele zwischen einem und zwei Jahren und ein Einsatz über zwei Jahre.
c. Nach diesen zwei Verfahrensschritten können sich Analysen individueller Handlungsmuster und Kognitionen anschließen. Zu erwarten ist auf dieser Analyseebene die Beschreibung von individuellen Besonderheiten der Metaphorik und die Eigenarten der Verknüpfung verschiedener Konzepte; weiterhin sollten das Fehlen kollektiv üblicher Metaphern und damit Defizite an Handlungsmöglichkeiten hier auffallen. Ferner ist in der Fallarbeit die biographische Einbettung des metaphorischen Musters möglich; zuletzt kann im Zusammenhang mit einer kontexterhebenden Methode die praktische Ausfaltung der metaphorischen Konzepte beschrieben werden (vgl. Schmitt 1995). Das wichtigste Ergebnis dieser Analyse ist jedoch die Beschreibung des individuellen Verhältnisses zwischen metaphorischen Konzepten und realen Handlungen.
Grundsätzlich sind nicht viele konzeptuelle Metaphern zu erwarten (exemplarisch: Lakoff 1987/380ff.) In der vorliegenden Studie waren alle neun Metaphernfelder bereits nach fünf Interviews gefunden, die Hinzunahme weiterer Interviews und die Untersuchung bei ursprünglich nicht geplanter Klientel (HelferInnen von Erwachsenen mit psychotischen Erkrankungen) ergaben keine neuen Bilder.
Eine
zweite Regel betont die alltägliche, tote oder "lexikalisierte"
Metaphorik, die schwer zu erkennen, aber in hohem Maß kollektiv
verankert ist. Literarische und ältere psychoanalytische
Metaphernanalysen orientieren sich fast immer an den auffälligen
Metaphern und rekonstruieren aus ihnen den Sinn einer Erzählung
- ich behaupte, daß sie damit kollektive Sinnstrukturen und den
Umgang des Einzelnen damit übersehen. Diese Betonung der
alltäglichen Metaphorik zieht eine pedantische Regel nach sich:
Metaphern müssen ohne Rücksicht auf einen vordergründigen
manifesten Sinn in einer Wort-für-Wort-Analyse gesammelt wurden.
Dies ist ein Verfremdungseffekt, ohne den lexikalisierte Metaphern
(z.B. "an Konflikten arbeiten") übersehen
werden. Hier schließt sich dann die erste hermeneutische Arbeit
an, die gefundenen Metaphern nach ihren inneren Sinnzusammenhängen
zu Bildclustern zu ordnen. Diese Cluster, auch als "metaphorische
Felder" oder als "Wurzelmetaphern" in der Literatur
bezeichnet, müssen prägnant und kohärent sein, d.h.
viele Einzelmetaphern auf einen Sinngehalt bündeln können
(Wiedemann 1986/154). Die vorliegende Studie zeigt, daß diese
Cluster nicht auf einem einheitlichen Abstraktionsniveau liegen, vgl.
Hilfe als "Nachhilfe" und als "auf den Weg bringen".
Darüber hinaus gehören manche Metaphern mehreren
Bildbereichen an; bei dem Bild vom "Haus" kann die
Abgeschlossenheit ("bei ihr gingen die Rolläden 'runter'",
Behälter-Schema, vgl. Abschnitt 7) oder die Vertikalität
dominieren ("er baut sich auf", Oben-Unten-Schema, vgl.
Abschnitt 4). Die hermeneutische Ordnungsarbeit kann daher nie
abgeschlossen und endgültig sein. Schließlich ist die
Strukturierung dieser Cluster zu einen übergeordneten
prototypischen Modell (Lakoff 1987/397) möglich, welches die
Metaphernfelder in einen sinnhaften Zusammenhang setzt, was den hier
vorgegebenen Rahmen sprengt (Schmitt 1995/220f).
Eine
dritte Regel besteht darin, alle gefundenen Metaphern zu
interpretieren. Dieses Verfahren erschwert interpretatorische
Kurzschlüsse aus auffälligen Metaphern, denn erst das
Ineinanderwirken auch widersprüchlicher Metaphern zeigt die
Komplexität des menschlichen kognitiven Systems.
Je
nach Forschungsfrage schlage ich eine vierte Regel vor: Die
Triangulation (Flick 1987) der Metaphernanalyse mit einer
kontexterhebenden Methode, die wieder die Rückbindung zum
Gegenstand und zur Forschungsfrage erlaubt, ist nötig, um schon
absehbare Schwächen der Metaphernanalyse zu kompensieren: Sie
übersieht konkrete psychische und soziale Details sowie bewußte
Intentionen und Begründungszusammenhänge.
11.
Anmerkungen und Aussichten.
Die Metaphernanalyse ist als sozialwissenschaftliches Handwerkszeug noch nicht so entwickelt, daß ihre Ergebnisse und deren Reichweite sicher einzuordnen sind. Ihre Nähe zu den Konzeptionen von "Alltagstheorien" (Laucken 1974), "subjektiven Theorien" (Groeben 1988), dem sozialen Konstruktivismus (Gergen et al. 1985) bzw. der "Sicht des Subjekts" (Bergold, Flick 1987) ist deutlich. Wichtiger als die Diskussion des Verhältnisses zu diesen Theorien scheinen mir praktische Implikationen der vorgestellten Ergebnisse.
Zunächst ist noch einmal zu betonen, daß jede/r HelferIn mehrere Metaphernfelder benutzte; meist dominierte eines davon. Wenn die Ergebnisse der Untersuchungen von Pollio et al. (1977/92f) mit StudentInnen stimmen, die allerdings mit einem anderen Begriff der Metapher operierten, dann korrelieren kognitive Flexibilität und Metapherngebrauch: Wer über viele Bilder zur Einordnung des Geschehens in der Umwelt verfügt, besitzt offenbar auch effektivere Handlungsstrategien. Dies berührt den schon erwähnten Zusammenhang zwischen Handeln und metaphorischen Konzepten: Deskriptive Einzelfallstudien (s.o.) zeigen, daß dieser weder linear von den Metaphern zum realen Tun noch vom Tun zu den Metaphern abzuleiten ist, sondern daß konkretes Handeln und die Bildwelt der HelferInnen sich gegenseitig auslegen und kommentieren.
Wie Metaphern für therapeutisches Arbeiten genutzt werden können (Pollio et al. 1977/101f., Gordon 1985), so können sie auch für Supervision psychosozialer Arbeit bedeutsam werden: Konflikte zwischen Klienten und Professionellen können in der Unvereinbarkeit der jeweiligen metaphorischen Vorstellung von der Form der Hilfe ("Prozeßphantasien", Buchholz 1993b) liegen, wie auch die Konflikte in Supervisionsgruppen auf eine unterschiedliche metaphorische Konzeptualisierung des Problems zurückgeführt werden können. Pollio et al. (ebd.) verweisen darauf, daß sowohl das Einführen einer neuen Metapher, aber auch das Entfalten der Implikationen einer gebrauchten Metapher therapeutisch wirksam sein können.
Die hier gezeigten Metaphern des Helfens sind breiter als die spezialisierten Bildangebote z.B. bestimmter therapeutischer Ansätze. Thommen, Ammann und v. Cranach 1988 haben gezeigt, daß zwischen der gelernten Theorie und der praktischen Durchführung von Therapien eine Kluft existiert. Dieses Ergebnis läßt sich vielleicht auch so interpretieren: Therapeutische Ausbildungen knüpfen an ein vorhandenes Repertoire von Interaktionskompetenzen an und systematisieren bestimmte Denk- und Handlungsmuster bzw. -bilder; neben diesen und in ihnen wird der lebensweltlich erworbene Bildvorrat immer wirksam bleiben. Nach den in Fritzsche et al. 1994 dargestellten Kontroversen um Inhalte und Strukturen der Einzelfallhilfe kann davon ausgegangen werden, daß die theoretischen Interpretationsmuster der Therapieschulen und der (Sozial-) pädagogischen Richtungen nicht ausreichen, um Einzelfallhilfe zu konzeptualisieren und darzustellen, und daß zwischen ihren Konzeptionen und der in der Einzelfallhilfe erlebten Praxis ein Graben klafft. V. Kleist (1984/7) geht davon aus, daß solche Lücken zwischen theoretischem Wissen und erlebter Praxis mit Bildern, Gleichnissen und Geschichten gefüllt werden, welche die Erfahrungen der PraktikerInnen besser repräsentieren. Noch ist es offen, ob der Metaphernanalyse als Methode zuzutrauen ist, diese Erfahrungen zur Sprache und zum Bewußtsein zu bringen.
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Anmerkungen:
1Martin Luther, Sendbrief vom Dolmetschen, (1530), 1970/159.
2insbes. Lakoff, Johnson 1980, Johnson 1987, Lakoff 1987.
3u.a. Bamberg 1982, Brünner 1987, Buchholz 1993, Burckhardt 1987, v. Kleist 1987, Rauh 1989, Schmitt 1995, Straub, Sichler 1989, Streeck 1991, Wiedemann 1986, 1989.
4Zur Verbindung von räumlicher Metaphorik und der Selbsterfahrung des Körpers vergl. Lakoff, Johnson 1980/14ff.; Bamberg, Lindenberger 1984/24ff., Radden 1989.
5Lat. "contactus": "Berührung", figurativ: "Ansteckung, Einfluß", vgl. lat. "tactus": "Tastsinn".
6Duden: aufdröseln: etwas Verheddertes, Wolle o.ä. aufdrehen
7Vgl. das Halten, Tragen, Stützen bei Winnicott, zsf. bei Ciompi 1993
8Wie die Metaphorik des Hauses ist die des Druckes doppelt determiniert; auch hier dienen Last ("bedrückt") und Raum ("Ein-", "Ausdruck") als primäre Metaphoriken.
9Zum metaphorischen Gehalt von Präpositionen und Adverbien vgl. Abschnitt 4
10z.B. Brünner 1987/103ff.; Bamberg, Lindenberger 1984/28f.; Lakoff, Johnson 1980/4. Beispiele: wir "bauen eine Position" auf, "verteidigen uns", "wehren einen Angriff" ab, "kontern" mit einer Gegenfrage, "verfechten" die qualitative "Ausrichtung" dieser Studie, "verfolgen eine Taktik" und "zielen darauf ab". - Allenfalls das "Bekämpfen" von Symptomen oder das "Konfrontieren" eines Klienten deuten die Kampfmetaphorik im psychosozialen Diskurs an.