Rudolf Schmitt. Metaphernanalyse als sozialwissenschaftliche Methode. Mit einigen Bemerkungen zur theoretischen "Fundierung" psychosozialen Handelns. In: Psychologie & Gesellschaftskritik, Mabuse-Verlag, Frankfurt, Nr. 81, 21. Jahrgang, Heft 1/1997, S. 57 - 86.

 

Metaphernanalyse als sozialwissenschaftliche Methode. Mit einigen Bemerkungen zur theoretischen "Fundierung" psychosozialen Handelns.

 

Zusammenfassung:

Der Aufsatz zeigt einige Ergebnisse systematischer Metaphernanalysen und schlägt ein Ablaufmodell für entsprechende Forschungen vor. Die Metaphernanalyse scheint geeignet, dem Denken im Alltag etwas näher zu kommen und die Bedeutung von Theorien z.B. für psychosoziales Helfen zu relativieren.

 

1. Theorie und/oder Praxis.

Eine Einführung in die Metaphernanalyse wird mit einer Vorgeschichte verständlicher: In der Arbeit als Einzelfall- und Familienhelfer, mit vielen praktischen Problemen konfrontiert, suchte ich nach dem Diplom in Psychologie Hilfe in Theorien, die ich an der Universität gelernt hatte. Einzelfall- und Familienhilfe sind (oder nach den Kürzungen: waren) in Berlin Leistungen der Behinderten- oder Familienfürsorge, des Jugend- oder Sozialpsychiatrischen Diensts für Kinder, Erwachsene und Familien mit vielfältigen Schwierigkeiten: Verwahrlosung, psychische Erkrankungen, Einnässen, Sucht und Gewalt in der Familie etc.. Sie wird gewährt (oder aufgedrängt), wenn der Betreuungsbedarf die Kapazitäten der bezirklichen Sozialarbeiter übersteigt und andere, eher mittelschichtorientierte Hilfen (Schulpsychologischer Dienst, Erziehungsberatungsstellen, Psychotherapie etc.) nicht greifen oder überfordert sind (Nielsen et al. 1986, Kreft und Müller 1986, Fritzsche und Imbruck 1992). - An theoretischen Konzepten fehlte es zu meiner Unterstützung nicht. Da waren zunächst sozialpädagogische Ansätze, welche die Einzelfall- und Familienhilfe als eigenes Gebiet reklamierten, psychologische Ansätze pauschal abwerteten (Haller 1987, S. 228f.) und sehr praxisnahe, dafür auch widersprüchliche Ratschläge gaben (Nielsen et al. 1986, S. 188ff.). Verhaltenstherapeuten demonstrierten ihre Fähigkeiten, komplexe Situationen nach lerntheoretischen Gesichtspunkten zu strukturieren, legten beeindruckende Fallbeispiele vor (Hoffmann 1976), die jedoch Umwege und Mißerfolge außer acht ließen (Schmitt 1989a). Auch die Familientherapie ließ sich vernehmen, gab Ratschläge zu schwierigen Rollenpositionen der HelferInnen (vgl. Linke 1987) und bot Interventionstechniken an, fand jedoch selbst, daß es Grenzen der Übertragung gibt (Conen 1991, 1992). Psychoanalytische Ansätze in der Sozialarbeit lieferten Denkmuster, um die "eigentlichen Probleme", womit Verdrängungen, Reaktionsbildungen etc. gemeint waren, nicht zu "verschleiern", sondern zu "lösen" (Leber und Reiser 1975, S. 9). Die "eigentlichen" Probleme wurden jedoch von der Kritischen Psychologie ganz anders, nämlich als "Verschleierung gesellschaftlicher Widersprüche" begriffen, demzufolge anderes Herangehen als nach diesem kritischen Ansatz nur "psychosoziale Klempnerei" und "Kleinkrämerei" (Wondra 1989, S. 108) sein konnte.1

Allen Positionen gemeinsam war, daß sie die diffuse und breite Arbeit in der Einzelfall- und Familienhilfe zum Objekt vorgegebener Kategorisierungen machten, die Betroffenen und ihre HelferInnen auf die in der jeweiligen Theorie geltenden Prämissen reduzierten und die übrig bleibenden Reste zum Beweismaterial für die eigene Anschauung umfunktionierten. Das Fazit war denn auch relativ ähnlich: Diese Praxis ist höchst defizitär und braucht mehr X, wobei X für die genannten Theorien steht. - Die Situation ist für therapierende oder beratende KollegInnen nicht anders: Die akademische Psychotherapieforschung glaubt ebenso, Handlungsanweisungen in Form signifikanzenbewehrter Meta-Faktoren geben zu können, und verfehlt therapierende PraktikerInnen und deren Erfahrungszusammenhänge (Jaeggi 1994). Schachtner (1996, S. 6f). verweist auf neuere Arbeiten der Handlungstheorie, die inzwischen nicht-hierarchische, nicht-reduktive Handlungsmodelle entwerfen. Ihre Untersuchung zeigt an der Interaktion zwischen ÄrztInnen und PatientInnen, daß deren Beziehung Komplexität, Dynamik und Unschärfe der Situation generiert: So kann auch hier (medizinische) Praxis nicht in (medizinischer) Theorie aufgehen.

Der Herrschaftsanspruch theoretischen Herangehens funktioniert oft nach der Metapher, das Tun der Praktiker sei nicht "theoretisch fundiert". Diese Metapher von der "Fundierung" impliziert, daß, wie bei einem Haus, erst eine "tragfähige Basis" aus "grundlegenden" Gedanken gezimmert werden muß, bevor man "darauf aufbaut" und die Praxis dann die Rolle der Innendekoration der auf den verschiedenen "theoretischen Ebenen" konstruierten Unterabteilungen übernehmen darf - als wüßte man nicht, daß psychosoziales Helfen induktiv, am Fall gelernt wird und theoretisches Wissen erst in seiner praktischen "Fundierung" seinen Sinn bekommt. Andere Metaphern implizieren ein ähnlich autoritäres Verhältnis von Theorie und Praxis: Es gehe darum, praktische Schritte von Theorien "abzuleiten", als sei Praxis der unvermeidbare Blitzableiter für theoretische Hochspannung. Oder man bemüht sich darum, Theorie in die Praxis "umzusetzen", als sei Praxis eine leere Lagerhalle ohne eigene Binnenstruktur; das umgekehrte Einwirken von Praxis auf Theorie wird in dieser Metapher nicht mehr denkbar und damit unterdrückt. Eine andere Form der Hierarchisierung kritisiert Wolff, die er in der Annahme findet, Praxis bestehe aus der "Anwendung" von Theorie (Wolff 1994, S. 42), als sei diese nicht nur metaphorisch ein "Werkzeug", als hätten PraktikerInnen kein anderes, nicht-theoretisches Wissen.

Der entwertenden theoretischen Rhetorik stand und steht eine Sprachlosigkeit der PraktikerInnen gegenüber, die sich in den Theorien nur als bloße Mängelverwalter psychischer, technisch-therapeutischer, familiärer oder gesellschaftlicher Defizite sehen können. Wie begreifen sie sich selbst, wie formulieren sie ihre Erfahrungen mit Möglichkeiten und Grenzen dieser Arbeit? Diese Sprachlosigkeit hat viele Gründe; sicher verhindern mangelnde Ressourcen, knappes Zeitbudget und fehlende organisatorische Möglichkeiten die Artikulation. Ein wichtiger Grund liegt auch darin, daß sie ihre Erfahrungen nicht in Theorien äußern, sondern als narrative Fragmente, in "Vorstellungskernen", "Bildern" und "Figuren" (Thommen, Amman, v. Cranach 1988, S. 31f.) oder, in einem älteren Wort: in Metaphern. Nach längerer Praxis versuchte ich schließlich, die in Metaphern des Helfens kondensierten Erfahrungen in der Einzelfall- und Familienhilfe zu untersuchen.

Die Erforschung dieser "Sicht des Subjekts" - nicht nur der psychosozialen PraktikerInnen - ist Thema qualitativen Forschens (Bergold und Flick 1987); die erste Arbeit, die das Selbstverständnis von Psychotherapieklienten in ihren Metaphern rekonstruierte, ohne sie danach einer limitierenden theoriegeleiteten Interpretation zu unterziehen, lieferte Cornelia von Kleist (1984). Daß Metaphern ihrerseits den Kern von Theorien bilden, haben Blumenberg (1960) für die Philosophie, Kuhn (1979) für den Paradigmenwechsel in den Naturwissenschaften, Brünner (1987) für die Linguistik sowie Carveth (1993) und Buchholz (1993a, 1996) für die Psychoanalyse belegt. Der vorliegende Aufsatz führt zunächst in einige Ergebnisse meiner Untersuchung ein und skizziert dann die Praxis dieser Forschungsmethode.

 

2. Einige Annahmen der Metaphernanalyse

Der Linguist George Lakoff und der Philosoph Mark Johnson haben in einem gemeinsamen Buch (1980) einige Annahmen zur Funktion von Metaphorik formuliert und deren Tragfähigkeit für die Analyse der Umgangs- wie Fachsprache gezeigt; spätere Revisionen des linguistischen Modells (Lakoff 1987, Johnson 1987) haben an diesen Grundannahmen nichts geändert:

a) Metaphern sind nicht nur rhetorischer Schmuck, sondern verweisen auf kognitive Modelle, mit denen wir unsere Erfahrung der Welt strukturieren; wir reflektieren, handeln und interagieren im Rahmen dieser metaphorischen Modelle.

b) Metaphorische Modelle strukturieren komplexe oder abstrakte Erfahrungsräume (z.B. Liebe, Leben, Therapie) durch den Rückgriff auf ganzheitliche Erlebnisqualitäten, die sowohl körperlich verankert wie kulturell geprägt sind.

c) Entgegen der linguistischen Vorliebe für auffällige Sprachbilder sind es vor allem die alltäglichen und konventionellen Metaphern, denen diese Rolle als Träger von Modellvorstellungen zukommt. Lakoff und Johnson propagieren einen Begriff der Metapher, der alle sprachlichen Wendungen umfaßt, die nicht in einem strengen Sinn wörtlich sind. "Jemand die Würmer aus der Nase ziehen", "vor Wut platzen", "verschlossen sein", "er öffnete sich", "der ist nicht ganz dicht", "er schüttete mir sein Herz aus" - diese Formulierungen sind nach Lakoff und Johnson Sprachbilder, aus denen auf ein metaphorisches Modell geschlossen werden kann: Psychische Gesundheit ist (relative) Offenheit eines Behälters; bleibt zuviel drin, weil man "verschlossen ist", kann es in einem "kochen", bis man "platzt", dabei "Dampf abläßt" oder auf eine andere Weise nicht mehr ganz "dicht" ist. Lakoff und Johnson bezeichnen solche Modelle als "konzeptuelle Metapher". In diesen Modellen konvergiert sozialwissenschaftliches Interesse an der Sicht der Subjekte auf ihre Lebenswelt und die linguistische Theorie.

 

3. Einige kollektive Modelle des Helfens

Welche metaphorischen Modelle des Helfens ließen sich finden? Ich nenne zunächst einige, die fast allen HelferInnen gemeinsam waren2, und schildere dann eine individuelle Ausgestaltung derselben.


 
 

3.1 Helfen ist "auf den Weg bringen"

Lakoff und Johnson gehen davon aus, daß Metaphern einen abstrakten Begriff (z.B. "Leben") in Worten eines anderen Erfahrungsbereiches (z.B. "Weg") abbilden, um eine sinnfälligere Bezeichnung zu erreichen: "Lebensweg" - eine Metapher, die so alltäglich geworden ist, daß sie abgeschliffen und ohne Auswirkungen zu sein scheint. Aber gerade diese "tote" Metapher strukturiert unser Denken zumindest teilweise: im Leben "weiter kommen", ein "Ziel" haben oder "erreichen", gut "in Fahrt" sein, bei jemand schlecht "ankommen", seinen "Weg finden", "ziellos" arbeiten, eine "verfahrene" Situation, einen "Lebenslauf" schreiben.

Die umgangssprachliche Bezeichnung psychischer Krankheiten nutzt ebenfalls diese Bilder, in denen ein Mensch sich auf seinem Weg entweder zu langsam bewegt oder gar nicht auf dem richtigen Weg geht ("weggetreten", "Rückfall, "irre(n)", "neben sich stehen", "neben der Spur" sein) oder zu schnell ist (dem "gehen die Nerven durch", sich "in eine Sache verrennen", ein psychotischer "Schub", "zerfahren" oder "fahrig" sein). Dennoch überraschte die Häufigkeit und Präsenz dieser Metaphorik: Es schien keinem der Helfenden möglich, auf diese Bildlichkeit zu verzichten.

In den Interviews wurde die Situation der KlientInnen in ihrem sozialen Umfeld als Ausgangspunkt der Hilfe meist durch "Unbeweglichkeit" umschrieben; die Metaphorik bebildert, daß Fortbewegung behindert wird, es "geht nicht". Eine Klientin traute sich "nicht einen Schritt", denn es waren "zuviel Hindernisse im Wege für sie", und sie wollte dann auch nicht "weiter". Mag sein, daß Angehörige sie "bremsen", aber vielleicht "steht sie sich da selbst im Weg". In diesen Bildern werden sowohl Kinder wie auch psychiatrische Patienten beschrieben. Es gab auch diffuse Territorien, in denen alle Familienmitglieder auseinanderstrebten. Es sind die Präpositionen "in", "ab", "aus", die unterschiedliche räumliche Verteilungen anzeigen. In diese Gruppe gehören auch Bilder unkontrollierbarer Bewegungen, von "Chaos" und "tobenden" Emotionen, die sowohl in Familien wie in der Einzelperson lokalisiert werden; in einer Familie "flüchteten alle vor einander", sie waren "in allen Richtungen zerstreut".

Wenn der Ausgangsort als "unmöglicher" Ort konstruiert wird, kann das Ende der Arbeit als lebenswerter Ort geschildert werden; so sind "Ziel" und "Richtung" die räumlichen Metaphern, die häufig wiederkehren. Im Gegensatz zur konkreten Sinnlichkeit bedrückender Ausgangszustände sind die Zielbilder abstrakter. Sie gehören zu dem wenig aussagefähigen psychosozialen Jargon; das Pathos selbstbestimmter Bewegung ist zu finden. So konstruiert diese Metaphorik eine neue Welt: Eine Helferin hatte versucht, der Klientin "ein Experimentierfeld überlassen", sie ermutigt, sich "einen Freiraum zu erobern" und "eigene Schritte zu tun". Bewegungsmetaphern waren auch in der Form zu finden, daß manchmal "ein kleiner Schubs" notwendig schien, um wieder einen "kleinen Schritt vorwärts" zu kommen. Wir können also die Funktion der Metaphorik als "affektiv- kognitive Strategie der Komplexitätsreduktion" (Buchholz und v. Kleist 1995, S. 95) beschreiben, die es den HelferInnen ermöglicht, die vielfältige Beanspruchung und Wahrnehmung zu einem Bildfeld zu ordnen.

Entsprechend der Unwegsamkeit der Ausgangsorte ist nicht zu erwarten, daß die Arbeit als Spaziergang metaphorisiert wird; es dominieren die Metaphern des schwierigen Wegs: So mußte eine Helferin "eine Riesen-Grätsche" machen, um der Spannbreite von Anforderungen in einer Familie gerecht zu werden, sie beschrieb dies auch als "Gratwanderung" und "Durststrecke"; sie kommentierte später: "Das ging gar nicht." Manche Probleme waren schon "ziemlich festgefahren", da war schon einiges "schiefgelaufen", und einige "Rückfälle" waren mehr als nur gelegentliche "Ausrutscher". In manchen Familien "kamen" die HelferInnen "auf keinen grünen Zweig" und fanden es wenig sinnvoll, noch irgend etwas "in die Wege zu leiten". Sie formulierten, daß man "nie einen festen Boden unter den Füßen" habe, daß sie manchmal "naiv an die Probleme herangegangen" seien und oft nicht gewußt hätten, wie man damit "umgeht". Der soziale und psychische Bewegungsspielraum wird als unsicher beschrieben, als "bewandert" oder "erfahren" erleben sie sich selten. Diese metaphorischen Äußerungen zeigen eine weitere, "evaluative" Funktion der Metaphorik: Sie erlaubt es, Bewertungen und Gefühle zu kommunizieren (Buchholz und von Kleist 1995, S. 95).

Mit dieser Strukturierung durch einen "engen Ausgangsort", einen schwierigen "Weg" und einen "weiten Freiraum" geben die HelferInnen ihrer Arbeit einen normativen Hintergrund, dessen epistemologische Implikationen zunächst nicht auffallen; es scheint nach der Logik der Bilder selbstverständlich, warum diese Reihenfolge zu wählen ist. In dieser "operativen" Funktion (Buchholz und von Kleist 1995, S. 96) steuert die Metaphorik also Situations- und Selbstdefinition der HelferInnen wie auch die Rollen der KlientInnen, die "auf den Weg gebracht" werden müssen.

Ein Ausschnitt dieser Metaphorik beinhaltet explizit ein Beziehungsgeschehen zwischen HelferInnen und KlientInnen. Bamberg (1982, S. 51ff.) hat darauf hingewiesen, wie Beziehungen durch räumliche Relationen charakterisiert werden: "nahe" Verwandte (vs. "entfernte"), sie sind sich "nahe gekommen"; sie hat mich "verlassen", wir haben uns "getrennt", "auf Distanz gehen", "aus dem Weg gehen". In den Interviews wird geschildert, wie man bei den KlientInnen "ankommt", sie "erreicht", "miteinander umgeht" oder aber diese "ausweichen". Allerdings wird auch formuliert, daß Nähe bedrohlich werden kann, weil Klienten "wenig Distanz halten". Damit zeigt sich die operative Funktion dieser Metaphorik für die Beziehungsgestaltung: Es ist gut, "einen gemeinsamen Weg zu finden", bei den KlientInnen "anzukommen", notfalls auch zu versuchen, "Brücken zu bauen", aber es darf nicht zu "nah" sein. Die Beziehungskalibrierung geschieht als Einpendeln auf einem imaginären Metermaß, bei dem das Optimum des Begleitens offenbar in einer "nicht zu großen Nähe" zu den KlientInnen markiert ist.

 

3.2 Hilfe knüpft Bindungen

Beziehung wird oft als "Verbindung" im Wortsinn, als "Bindung", "Band" und "Strick" gedacht, mit denen man eine Person an sich "binden", "fesseln", "umgarnen" oder "verstricken" kann. Die Worte "Beziehung", "hängen", "anhänglich sein", "Abhängigkeit" bezeugen ebenfalls die durch ein Band verknüpfte Beziehung. Linguistische Untersuchungen (Brünner 1987, S. 104, Bamberg und Lindenberger 1984, S. 24) weisen daraufhin, daß die Metaphorik des Webens einen wesentlichen Anteil der Bilder darstellt, mit denen wir das Reden über Kommunikation konstruieren: ein "Gesprächsfaden", der "abreißen", den man "aufnehmen" und an den man "anknüpfen" kann, um noch etwas "einzuflechten"; man "verhaspelt" und "verheddert" sich oder "strickt" die Argumentationen nach dem gleichen "Muster". Sehr wertend fallen dagegen Bilder für psychische Auffälligkeiten aus: Jemand "spinnt" oder ist "versponnen", "hat einen Webfehler" oder ist "schief gewickelt". Auch die Bindungsmetaphorik läßt sich in fast allen Interviews finden: Vor allem Kinder "hängen" an ihren BetreuerInnen und ältere KlientInnen "ziehen" sich oft "zurück".

Die entsprechende und positiv konnotierende Metaphorik der Arbeit wird dann formuliert als "Kontakte knüpfen", "in Verbindung setzen" und "einbinden" (oder "anbinden" an Institutionen), wenn die KlientInnen sich aus "Verflechtungen", "Verstrickungen" und "Verwicklungen" "lösen" oder "ablösen" können. Die implizite Moral dieser Metaphorik lautet, daß das "Entziehen" nicht, jedoch das "Knüpfen von Kontakten" erwünscht wird; umgekehrt dürfen "Verbindungen" nicht zu "Verwicklungen" führen. Ähnlich der Metaphorik der Begleitung wird auch hier für die helfende Beziehung ein Interaktionsmodell der "mittleren Nähe" sprachlich bereitgestellt.

 

3.3. Helfen als Durchblicken und Klären

Licht gilt als traditionelle Metaphorik von Wahrheit (Blumenberg 1960, S. 26f.), man spricht von einem "hellen Kopf" oder einer "Erleuchtung". Das Gegenteil stellen "dunkle" Geschehnisse dar: Man kann sich "dunkel erinnern", man sprach von einem "umnachteten" (psychotischen oder dementen) Menschen, und Adenauers Enkel hatte bei peinlicher Befragung einen "Blackout". Ob seine Berufskollegen regelmäßig "unterbelichtet" sind, eine "Mattscheibe" oder einen "Knick in der Optik" haben, kann hier nicht untersucht werden, verweist aber auf die Fülle visueller Metaphern für psychische Phänomene. In den Interviews wird die zu erwartende Polarisierung und die implizite Handlungsanweisung dieser Bilder deutlich: Die Geschichte eines Falls und die Motive sind meistens "dunkel", und die Helfenden wollen "klären". Die visuelle Metaphorik dient drei Funktionen:

- Die vieldeutige Situation, ihre Protagonisten und deren Ab- und Einsichten wird sehr oft in der Polarität von "hell" und "dunkel" bzw. "klar" und "unklar" geschildert (metaphorische Reduktion von Komplexität, s.o.). Das Sehen wird intensiv metaphorisch genutzt, um eigene und fremde Auffassungen der Situation darzustellen. Darunter fallen Formulierungen wie "es war alles unklar" bis zu "es gibt eine Sichtweise des Amtes", die Situation sei "unübersichtlich" gewesen und man hätte sich gewünscht, "den Blick doch etwas geschulter zu haben". Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen mit folgenden und ähnlichen Wendungen: "sie war sehr zuversichtlich" oder "einsichtig", ein Familienmitglied sei "die dunkle Kehrseite der Medaille".

- Die zeitliche Dimension des kognitiven Raums, also die Entwicklung der Arbeit mit dem Kind oder der Familie, nutzt die Metaphern einer Bildbeschreibung: Die Rede vom "Hintergrund" (z.B. einer familiären Situation) steht für die Vergangenheit, der "Vordergrund" für eine gegenwärtige Situation und die "Perspektive" (lat. perspicio: hindurchsehen, genau betrachten) für Zukunft. Auch die Verben "klären" und "überschatten" übertragen in der Veränderung der Helligkeit die Wandlungen der helfenden Arbeit. Weitere Beispiele: "es ist mir so klar geworden", "nach vier Monaten sind ... schon Schritte zu sehen", "daß es irgendwann nicht mehr zu übersehen war".

- Diese Bilder beschreiben auch die Inhalte der Arbeit. Zunächst fällt ein "Gucken" oder "Anschauen" auf, das meistens gemeinsame Wahrnehmungsprozesse verschiedenster Phänomene beschreibt; dann findet sich oft das autoritäre Diktum, jemandem etwas "klar zu machen", und natürlich müssen diverse Zusammenhänge "geklärt" werden. Es werden "Beobachtungen" gemacht, manche HelferInnen tappen jedoch "im Dunklen".

 

3.4 Hilfe ist Entlasten und Unterstützen

Die Weg-Metaphorik wird oft begleitet von Bildern der "schweren" "Belastung", welche die KlientInnen "tragen", "unter" der sie leiden, weil ihnen die Angehörigen zuviel "draufpacken", bis sie es nicht mehr "aushalten" und "zusammenbrechen". Die Metapher der Last bezieht ihre Einprägsamkeit von der ebenfalls räumlichen Oben-Unten- Dichotomie (Lakoff, Johnson 1980, S. 14ff.), was sich in den entsprechenden präpositionalen Komposita "auf", "über", "nieder" und "unter" zeigt. Dieses Oben-Unten-Schema bildet den Hintergrund der Metaphorik von emotionalen "Hochs" und "Tiefs", sozialem "Auf" und "Abstieg", moralischem "Hoch"-stehen und "Gefallensein". Wer "abhebt" und dann "im siebten Himmel schwebt", hat den "Boden unter den Füßen verloren"; das Gegenteil solcher euphorischen Verfassungen sind depressive Zustände der "Schwermut" und "Bedrückung". Diese Tiefe wird durch eine quasi auf den Schultern liegende "Last" bebildert; in den Interviews zu findende Formulierungen waren: "sie leidet da auch drunter", "die hat es unheimlich schwer", "er ist der Symptomträger", "sie kann das nicht mehr aushalten". Auch diese Metaphorik zeigt eine implizite Norm: Hilfe führt zur "Erleichterung" und holt Klienten aus der Tiefe (dem "Loch") heraus. Die entsprechenden Metaphoriken der Hilfe sind das (Mit- Tragen von Last, (Unter-) Stützen und das Erleichtern: "ich habe mit ihr eine Menge Konflikte auch getragen", "indem ich sie da unterstützt habe", "sie war selber so erleichtert", "sie braucht auch ... die Entlastung von der Halbschwester".

 

3.5. Über einige kollektive Erfahrungen

Mit den genannten vier (von neun gefundenen) metaphorischen Modellen sind einige kulturelle wie bereichsspezifische Erfahrungen bereits benennbar:

a) Wir wissen schon vortheoretisch und alltagssprachlich, was die Ziele einer gelungene Hilfe sind: Psychische und soziale "Beweglichkeit" werden mit Wohlergehen assoziiert, wobei damit keine "Bindungslosigkeit" gemeint ist, sondern ein vielfältiges Verbundensein. Wir wünschen uns "klare", "übersichtliche" Situationen des Lebens und versuchen, nicht allzu "beschwert" zu sein. Nicht nur Ziele, auch Ablaufmodelle werden metaphorisch generiert: von einem "engen" oder "verstiegenen" Ort über "Gratwanderungen" zu "Freiräumen", von "Verstrickungen" über "Entwicklung" zu "Bindungen", von "Dunkeln" ins "Klare", von der "Last" zur "Erleichterung".

b) Diese Formulierungen scheinen an der Grenze zur Banalität angesiedelt; in ihrer metaphernanalytisch zugespitzten Form offenbar sie jedoch implizite Regeln und Muster der Alltagspsychologie, denen fachspezifische Differenzierungen noch gehorchen. So stellt zum Beispiel das Modell von "mittlerer Nähe" der helfenden Beziehung, wie es von der Weg- und Bindungsmetaphorik nahegelegt wird, eine Erfahrung gelingender Interaktion dar, wie sie auch in Therapieausbildungen immer wieder gelernt werden muß. Ebenso sind mißlingende Hilfen auf dem Hintergrund des "Rückfalls", der "Verstrickung" oder der "Überlastung" antizipier- wie interpretierbar. In ihrer Gesamtheit stellen sie ein sich gegenseitig korrigierendes (nicht nur widersprüchliches) System richtigen Handelns dar; nur nach der Metaphorik der Last handelnd, würde "Unterstützen" und "Erleichtern" ohne die von anderen Metaphern empfohlene notwendige Distanz der helfenden Beziehung wahrscheinlicher zu einer auf Dauer unbefriedigenden Lösung werden.

c) Diese Modelle offenbaren kulturelle Schemata und Bewertungen; es muß nicht in jeder Kultur so sein, daß Bewegung der Ruhe und Licht dem Dunkel vorgezogen wird. Metaphern stellen ein "nicht-intendiertes Lernparadigma" dar (Oevermann et al. 1976, S. 376), in das wir hineinsozialisiert wurden. Sie stellen Muster von Erfahrungen dar, nach denen wir weitere Erfahrungen machen.

d) Habermas hat für allgemeine Interpretationen wie die Psychoanalyse vorgeschlagen, sie als "systematisch verallgemeinerte Erzählungen" zu begreifen (Habermas 1968, S. 320); eines ihrer Kennzeichen sei, daß sie sich in der Dimension der Umgangssprache bewegten. Auf die metaphorischen Modelle bezogen, könnte man sie als "verallgemeinerte Erzählungen", als kondensierte Erfahrungen begreifen, deren Systematik der Verallgemeinerung vorerst noch unerforscht ist.

 

4. Individuelle Metaphern

Soweit die kurze Darstellung einiger kollektiver Metaphern des Helfens und ihrer Implikationen3. Die Metaphernanalyse kann jedoch nicht nur kollektive, sondern auch subjektive Konstruktionen freilegen. Aus der gleichen Studie folgt daher ein Fallbeispiel:

Die von der Helferin betreute Klientin war über 60 Jahre alt; nach zehn Aufenthalten in der Psychiatrie, die im Alter von etwa 50 Jahren nach der Scheidung von einem alkoholkranken Ehemann begannen, wurde die Einzelfallhilfe eingerichtet. Zur Zeit des Interviews war sie in einer psychiatrischen Klinik. Sie wohnte bei ihrer neunzigjährigen Halbschwester, die im wesentlichen den Haushalt besorgte; zwischen beiden bestanden erhebliche Spannungen. Zu ihrem Sohn hatte sie wenig Kontakt, sonst existierten keine weiteren Beziehungen.

Die Helferin beantwortete die erste Frage nach dem Ablauf des letzten Treffens mit der Schilderung des Besuches bei der sich erholenden Klientin. Dabei fiel auf, daß die Helferin für psychische Gesundheit eine bestimmte Metaphorik benutzte: Gutes Leben ist Aus-sich-heraus-bewegen. Dies drückte sich in Verbindungen mit den Bewegungsverben aus: Sie lobte die Patientin bei ihrem Besuch in der Psychiatrie, daß es "ihr wieder so gut geht". Die Wirkung der Psychopharmaka sei, "daß sie wieder auf Leute zugeht". Das Aus-sich-herauskommen übertrug sich auch auf verwandte Verben, Präpositionen und Adjektive, die alle das Herausgehen-aus-sich als Öffnung eines geschlossenen Körpers metaphorisierten. So hatte sie beim ersten Besuch in der Klinik "gesprüht vor Leben", "da hat sie dann die ganze Zeit erzählt und gesprudelt", sie war jetzt "offener". Die Bildlichkeit des "Gehens" erstreckte sich auch auf existentielle Betrachtungen, indem die Helferin das Leben der Patientin als Weg sah: "die hat schon ein hartes Leben hinter sich" hieß, darauf wie auf eine zurückgelegte Strecke zurückzuschauen; Wendungen wie: "sie geht davon aus" implizierten, daß die Helferin die Vorannahmen und Glaubenssätze der Klientin als mentale Bewegung von einem Ausgangspunkt erfaßte.

Schlechtes Leben war In-sich-verkriechen, wie auch körpernahe Bilder dieser Unbeweglichkeit zeigten. Die mildeste Interpretation der Krankheit als "einfach mal sich gehen lassen zu können" bot sich noch als Impression eines "guten Gehens" an; Unbeweglichkeit ergab sonst meist drastische Bilder: "da ging es ihr ziemlich dreckig". So beklagte die Helferin, "daß sie sich so hängen ließ" und "von sich aus ja kaum raus geht". Diese Formulierungen benennen reale Sachverhalte, welche die Helferin als gültige Beschreibungen des psychischen Zustands gebrauchte, also von der realen Ebene auf die psychische übertrug. Diese Übertragung machte es möglich, sie hier als Metaphern zu behandeln. Die in den Metaphern enthaltene implizite Hintergrundtheorie ließ sich so reformulieren: Bewegte man sich, war man gesund; "versteifte" man sich auf sich selbst, würde man krankwerden. Diese Theorie galt jedoch nur eingeschränkt, denn die Bewegung konnte sich in wilde und unberechenbare Sprünge steigern. So provozierte die ältere Halbschwester in einer Mischung von Ärger auf ihre Verwandte und Eifersucht auf deren Betreuung "einen Mords- Aufstand", eine heftige Bewegung, die der Helferin zunächst nur Flucht übrig ließ, sie hatte sich dann "ziemlich schnell davon gemacht". Spezifischer gebrauchte sie die Metaphorik der übersteigerten Bewegung allerdings in der Konzeptualisierung der Krankheit. So erzählte die Klientin der Helferin, "daß die Krankheit sie immer wieder anfällt"; sie bezeichnete ihre Erkrankung auch als "Tiger". Einzelne Phasen wurden als "Schub", also als massive Bewegung aufgefaßt. Auch die Verweigerung gegenüber den Angeboten der Helferin "schaukelte sich so hoch". Letztere erlebte den psychotischen Rückzug als Bewegung nach innen: Die Klientin "steigert sich halt wieder in ihre Krankheit rein". Als Fazit blieb festzuhalten, daß es in der Metaphorik der Helferin ein Bild von "gemäßigter Bewegung" als psychischer und physischer Gesundheit gab; Bewegungslosigkeit oder heftige Bewegung zeigten ungesunde Zustände an.

Die Metaphorik der Bewegung findet in einem sozialen Raum statt; so bewegte sich die Klientin in ihren gesunden Phasen auf andere zu. Es wunderte daher nicht, daß die Helferin die Arbeitsbeziehung in der räumlichen Metaphorik von Distanz und Nähe wahrnahm. Die Klientin hielt "recht wenig Distanz", der Helferin war es "zu dicht". Die Helferin fürchtete von den Launen und Wünschen der Klientin fremdbestimmt zu werden, sie wollte "sich nicht zum Spielball machen lassen". In dieser Wendung kehrte neben der Angst der Helferin vor den Launen der Klientin das Bild von der heftigen Bewegung wieder, die für ungesunde Verhältnisse steht. Vor dieser stürmischen Bewegung, die einer Person ihr Recht auf Persönlichkeit nicht läßt, war die betreute Frau allerdings selbst nicht gefeit: "hat sie mich noch in den Arm genommen und war wieder ganz hin und weg". "Hin und weg": Dies war vielleicht die stärkste Metapher für die Turbulenz des Verlustes seiner selbst. Mildere Formen der zerstörenden Bewegung fand sich in der Wendung, daß die Klientin "etwas sehr vereinnahmendes" hatte. Angesprochen auf mögliche Übertragungsphänomene formulierte die Helferin: "ich bin schon was in die Richtung. Vielleicht das bessere eigene Kind". Die Heftigkeit dieser Vereinnahmung als Kind zog eine körperliche Abwehr nach sich: Der Helferin "sträubten sich die Nackenhaare", da sie mehr "Distanz" brauchte. Es schien nicht nur ihr so ergangen zu sein, auch der Arzt in der Klinik versuchte offenbar, "sich die Frau irgendwie vom Hals zu schaffen", indem er eine Einzelfallhilfe initiierte. Beide Wendungen deuteten auf heftige Gemüts-"Bewegungen" körperlicher Art, um sich die verlorene Distanz wieder zu verschaffen.

Das Beziehungsangebot der Helferin bildete sich in einer anderen Metapher ab. Es ging ihr darum, herauszufinden, "wie wir miteinander umgehen können". Dies war eine Formulierung, die beiden Protagonistinnen Bewegung zugestand. Die Helferin akzeptierte die Bedürfnisse der Klientin, und glaubte, daß "das, was sie braucht, so was Warmes", durchaus im Kontakt mit ihr möglich war. Die Helferin wollte jedoch "nicht darauf verzichten, die eigenen Bedürfnisse [nach Distanz, R.S.] mit reinzubringen". Sie sah allerdings auch, daß diese Konfusion der Bedürfnisse settingspezifisch ist: "in der Einzelfallhilfe kann ich mich nicht so raushalten", und da "bringe ich mich, meine Person viel mehr ein".

Eine weitere Metaphorik, die in entferntem Zusammenhang mit den Bildern von gesunder Bewegung und krankem Stillstand steht, war in der Metapher des Tragens von Lasten zu finden. Die Situation zwischen der Klientin und ihrer Angehörigen begriff die Helferin als "Last": Es sei "belastend genug für beide", die Klientin brauche "die Entlastung von der Halbschwester", aber es sei ebenso klar, "daß die Halbschwester sich überlastet fühlt". Dieses Bild der Situation implizierte eine andere Auffassung der Arbeit: Die Helferin sah sich als "Stützer" von der Klientin beansprucht. Dieser Teil der Arbeit war für sie weniger befriedigend als die Rolle der "Bewegerin". Sie wandte die Metaphorik der Last auch auf sich selbst an, sie "war selber so erleichtert", daß die Klientin im psychiatrischen Krankenhaus sich wieder besser fühlte; auch sah sie, daß sie "da auch viel Entlastung für den Sohn" bedeutete. Diese Arbeitsform des Stützens war für die Helferin nicht in ihrem dynamischen Bild des In-Bewegung-bringens unterzubringen, es war "für meine Begriffe kein Auftrag für eine Einzelfallhilfe".

Von kollektiven metaphorischen Modellen unterscheiden sich Analysen von Individuen also in folgenden Punkten:

a) Auswahl und Kombination der Metaphorik ergeben eine unverwechselbar eigene Gestalt; anders als in Inhaltsanalysen z.B. nach Mayring (1983) bleibt in Metaphernanalysen eine zugespitzte Form der Denk- und Sprachwelt der Untersuchten erhalten.

b) Metaphorische Attribuierungen in Form von Beschreibungen wie "sie kam aus sich heraus" erlauben Rückschlüsse auf das attribuierende Subjekt. In diesem Fall beschrieb die Helferin ihre Herkunftsfamilie als eine, die von einem oberflächlichen "Darüber-hinweg-gehen" geprägt sei. Metaphernanalyse erlaubt es, biographische Analysen um die Analysen dieser Projektionen und impliziten Selbstthematisierungen zu bereichern.

c) Erfahrungen werden als unmittelbar eigene gefaßt; ihre Weitergabe ist weder in der Form eines festen Kanons von Regeln noch eines definierbaren Bestands von positivem Wissen möglich. Nur in der Form verstehenwollenden Gesprächs, mehr Erzählung als Diskussion, zeigen sich Wissen und Können von PraktikerInnen.

d) Metaphorische Beschreibungen überspringen die Grenzen zwischen Subjekt und Objekt, indem sie eine Szene konstruieren: Wenn die Klientin nicht "auf die Beine kommt", versucht die Helferin, "kleinere Schritte" mit ihr zu unternehmen und wird dadurch zur "Begleiterin".

e) In den Einzeluntersuchungen lassen sich Funktionen der Metaphorik für das Denken genauer herausarbeiten: Sie reduziert die Komplexität psychischer Erscheinungen, die primär nichtsprachlich verfaßt sind, zu einleuchtenden und klar strukturierten Bildern; sie vermittelt darüber hinaus durch die Sprachtradition ein Gerüst, auch das Unfaßliche in Worte fassen zu können. Jede Reduktion dieser Komplexität zieht jedoch zwei Erscheinungen nach sich, die Lakoff und Johnson "highlighting" und "hiding" nennen. "Highlighting" meint ein Hervorheben bestimmter Eigenschaften und Merkmale; so forciert die Behälter-Metaphorik, uns als abgegrenzte Einheit, als "Ich" zu empfinden; gleichzeitig blendet diese Metaphorik den Verlauf in der Zeit aus, man ist entweder "dicht" oder "nicht dicht". So wird ein ahistorisches, tendenziell unsoziales Wesen konstruiert. Diesen Effekt bezeichnen Lakoff und Johnson als "hiding", als Verstecken. Der Verlauf in der Zeit - "Ver-lauf" deutet es an - läßt sich besser in der Weg-Metaphorik beschreiben; selbst in der abstrakten Formulierung vom "abweichenden" Verhalten ist der transitorische Moment des Geschehens noch zu rekonstruieren. Wir wären daher sehr beschränkt, blieben wir in einer Metaphorik - das belegen auch Pollio et al. (1977/90f.) in ihrer Untersuchung, daß kognitive und soziale Flexibilität und ein breites aktives und passives Vokabular an Metaphern korrelieren.

 

5. Zur Praxis der Metaphernanalyse

Es ist nicht neu, Metaphern in qualitativen Untersuchungen zu analysieren; Jaeggi und Faas (1993, S. 160) ermutigen, auffallende Metaphern für die Interpretation von Interviews zu nutzen. Wir können inzwischen jedoch davon ausgehen, daß Metaphern aufgrund ihrer Konventionalität übersehen werden und es dann gar nicht möglich ist, die ihn ihnen liegenden Modellvorstellungen zu dekonstruieren. Ferner zeigt Kleist (1987) deutlich, daß auch das Fehlen einer gängigen Metaphorik interpretationsrelevant ist: Die von ihr beschriebene Klientin verfügt über keine Metaphern der Bewegung und kann Prozesse der "Annäherung" an oder "Distanzierung" von anderen Menschen nicht denken, handeln, fühlen. Wie läßt sich also Metaphernanalyse als systematische Methode betreiben, um solche Defizite spontaner Interpretationen zu vermeiden?

Methodisches Vorgehen hat in qualitativer Forschung auch die Bedeutung, die Beziehung zu Beforschten und zum Forschungsthema zu reflektieren und die Beziehung nicht nur mit einem Regelwerk zu disziplinieren. Die Idee der Forschungssupervision, um Übertragung und Gegenübertragung analytisch zu nutzen (vgl. Jaeggi und Faas 1993, S. 143) ist hierfür hilfreich. Forschenden PraktikerInnen steht sie jedoch kaum zur Verfügung, Forschung geschieht in Restzeiten, die kaum mit anderen ForscherInnen zu koordinieren sind. Daher will ich für praktische Forschung, die mit begrenzten Ressourcen auskommen muß, die Argumentation von Devereux (1984) umkehren und methodisches, regelgeleitetes Vorgehen nutzen, auch um Angst und Chaos im Angesicht von vielleicht schwierigen InterviewpartnerInnen, Textbergen und methodischem Aufwand zu bändigen. Es ist ein Versuch, ein zuverlässiges und von individuellen Auswertungsvorlieben relativ unabhängiges Verfahren zu erarbeiten, das sich nicht auf weitere Hintergrundtheorien stützt; im Kontext psychoanalytischer Reflexion haben Buchholz und von Kleist (1995) und Buchholz (1996) andere Vorgehensweisen demonstriert. Zur Objektivität kann immerhin auf die Studie von Pollio et al. (1977, S. 71f.) verwiesen werden, daß die Übereinstimmung der Metaphernerkennung bei trainierten Ratern zwischen 55% und 95% liegt4. Die im folgenden vorgeschlagenen Schritte haben sich in längerer Erfahrung im Umgang mit der Methode ergeben; ich nenne sie zunächst in ihrer Reihenfolge und kommentiere sie anschließend.

 

5.1 Ablaufskizze einer Metaphernanalyse.

a) Zielbereich identifizieren: Zu welchem Thema suche ich die kollektiven bzw. individuellen Metaphern? Welche Theorien berührt das Thema? Welches Material steht zur Verfügung bzw. könnte erhoben werden? Es sind alle Datenquellen möglich, vom Gerichtsurteil bis zum Feldtagebuch, vom Interview bis zum Gesprächsmitschnitt.

b) Unsystematische Sammlung der Hintergrundmetaphern: Damit soll in der Vorphase einer Forschung ein Lexikon möglicher Metaphernfelder zum Thema angelegt werden.

c) Systematische Analyse eines Kollektivs: Die Texte und/oder Interviews können nun in einer Wort-für-Wort-Analyse auf Metaphernfelder analysiert und ein Lexikon tatsächlich verwendeter Metaphern der untersuchten (Sub-) Kultur angelegt werden. Ebenso werden hier die metaphorischen Felder rekonstruiert (z.B. Hilfe ist Unterstützen). Dies geschieht in zwei Durchgängen:

ca) Dekonstruierende Zergliederung der Texte in ihre metaphorischen Bestandteile. Da Texte voller Metaphern wie Wälder voller Bäume sind, werden die metaphorischen Wendungen samt ihres unmittelbaren Text-Kontextes in einer separaten Liste erfaßt.

cb) Synthese von kollektiven metaphorischen Modellen aus dem metaphorischen Material. Dieser zweite Schritt ist der eigentlich interpretierende, rekonstruierende, der aus der Wortsammlung metaphorische Konzepte gewinnt.

d) Rekonstruktion individueller Metaphorik auf dem Hintergrund der kollektiven Metaphorik. Insbesondere eigenständige Sprachbilder wie das Fehlen konventioneller Metaphorik fallen hier im Vergleich zu anderen Texten auf.

e) Methoden-Triangulation bzw. Verknüpfung der individuellen / kollektiven Metaphern mit (einer) anderen quantitativen / qualitativen Methode(n). Auch die Metaphernanalyse hat ihre Schwächen, die mit der Verwendung weiterer Methoden ausgeglichen werden können.

f) Theorien-Triangulation mit weiteren Theorien und Forschungsergebnissen, die den Gegenstand betreffen.

 

5.2 Kommentar zur Ablaufskizze

a) Zielbereich identifizieren: Die Themen- und Materialfindung wird hier statisch an den Anfang gesetzt - natürlich ist das eine Idealisierung. Verschiebungen der Interessen werden sich auch während der Forschung ergeben und bedingen, Themen neu definieren und neue Materialien suchen zu müssen. Solche von der Erfahrung mit dem Gegenstand begründeten Veränderungen der Auswahl von Zugängen zum Forschungsthema sind von Glaser und Strauß (1967) gut beschrieben.

b) Unsystematische Sammlung des metaphorischen Hintergrunds: Es empfiehlt sich, im Feld vorher mit der linguistischen Botanisierbüchse zu sammeln; Synonymlexika, Fachartikel, Theorien, Selbstbeschreibungen sollten ebenso wie die Umgangssprache ausgewertet werden, um mögliche Einschränkung des später zu untersuchenden Kollektivs zu erkennen. Die Einengung durch bereits gelesene theoretische Konzepte läßt sich so gleich zu Anfang neutralisieren, indem die metaphorischen Modellvorstellungen auch hinter begrifflichen Rationalisierungen gesucht werden. Sammlungen von Linguisten bleiben hier meistens stehen, auch Lakoff und Johnson genügt als empirische Basis das Wörterbuch, sie scheuen den Bezug auf ein empirisches Ensemble von Menschen. Eine solche Sammlung ermöglicht jedoch, später Defizite der untersuchten Subkultur zu benennen. In meiner Untersuchung hatte ich diese Regel noch nicht entwickelt und noch kein Lexikon des metaphorischen Hintergrunds angelegt; später hielt ich die von mir gefundenen metaphorischen Modelle für umfassend genug, nicht nur das psychosoziale Helfen in der Einzelfallhilfe, sondern in seiner Gänze zu beschreiben. Es war mir entgangen, daß außerhalb der Einzelfallhilfe die Metaphorik des Wachsens und Gedeihens existiert, die in den humanistischen Therapieverfahren stark verbreitet ist: "reifen", jemand "hat keine Wurzeln", Vertrauen "wächst", Beziehungen sind eine "zarte Pflanze" etc. Daß diese Metaphorik in der zupackenderen, aufsuchenden Arbeit mit KlientInnen der Unterschicht nicht vorkommt, beschreibt eine Eigenheit der Einzelfallhilfe, die in meiner Studie (Schmitt 1995) noch nicht gewürdigt werden konnte. Erst eine solche Feldstudie gibt den Horizont möglicher Metaphern vor und erlaubt später abzuschätzen, ob weitere Interviews oder Textanalysen andere Metaphern erbringen5. Auch kulturvergleichende Studien haben hier ihren Platz; Wolf 1996 hat in einer Studie über Aids in Malawi herausgearbeitet, daß dort Essens-Metaphern im Kontext von AIDS (Sexualität ist Essen, der Virus-Wurm ißt die Menschen auf) deutlich häufiger sind als die Kampf-Metaphorik in europäischen und nordamerikanischen Bereich (die Infektion "bekämpfen", "Killer-Zellen").

c) Systematische Analyse eines Kollektivs: In der systematischen Analyse griff ich zur Sicherung der Verallgemeinerbarkeit statt auf eine Repräsentativität der Interviews auf die Prinzipien der maximalen Variation der Perspektive und der theoretischen Sättigung nach Glaser und Strauß (1967) zurück. Mögliche Perspektivenunterschiede ergaben sich aus den Phänomenen Alter und Geschlecht der HelferInnen, primäre Ausbildung, therapeutische Zusatzausbildung, Problematik der Klienten und Dauer der Hilfe - darauf verwiesen die Forschungen zur ähnlichen Familienhilfe (Nielsen et al. 1986, Kreft und Müller 1986). Es ging nicht darum, die Unterschiede zwischen diesen Gruppen herauszufinden, sondern ein umfassendes Gruppenbild zu erzeugen; gesucht wurden daher InterviewpartnerInnen, die jeweils ergänzende Eigenschaften zu dem bisherigen Sample aufwiesen. Je nach Forschungsfrage und -ressourcen können auch andere Prinzipien der Fallauswahl herangezogen werden.

ca) Dekonstruierende Zergliederung der Texte in ihre metaphorischen Bestandteile. Dieser Schritt zerschlägt die sequentielle Struktur des Textes, unterschlägt daher auch Informationen, die in seiner Struktur des Ablaufs enthalten sind. Jedoch scheint es mir notwendig, den Text zu verfremden, da konventionelle Metaphern schwer erkennbar sind; so habe ich die Metaphorik, daß Helfen auch gemeinsame Produktion ist, erst nach langem Überlesen der Formulierungen gefunden, daß Kontakte "hergestellt", Konflikte "bearbeitet" und "durchgearbeitet" wurden und Gespräche "produktiv" waren. Die Blindheit im Umgang mit diesen alltäglichen Formulierungen ist nicht zu unterschätzen, weswegen ich zu dieser Verfremdung rate. Dieser erste Schritt besteht darin, in einer Textverarbeitung6 eine zweite Kopie des entsprechenden Texts einzuladen, die entsprechenden Metaphern als Block auszuschneiden und in eine Zwischenablage oder gleich in eine neue Datei unsortiert einzufügen (jede bessere Textverarbeitung hat ähnliche Mechanismen). Ich betone, daß es sich um das Ausschneiden handelt und nicht nur um ein Kopieren der markierten Stelle. Das hat den Vorteil, daß der Text allmählich wie Schweizer Käse aussieht, die Textstruktur aufgebrochen wird. Dies ergibt einen Verfremdungseffekt, der den Vorteil hat, daß man nicht mehr dem manifesten Sinn des Textes nachläuft und nachliest, sondern die übrigbleibenden Worte in ihrer eigenen und unter Umständen metaphorischen Gestalt deutlicher werden.

Als metaphorische Wendung nehme ich alle Formulierungen, die in einem strengen Sinn mehr als nur wörtliche Bedeutung haben. Diese Operationalisierung des Metaphernbegriffs (nach Rauh 1989, S. 269, vgl. Schmitt 1995, S. 113ff.) offenbart auch Metaphorisierungen in scheinbar neutralen Formulierungen, z.B. im folgenden Satz: "Sie kam dann in die Pflegefamilie". Wenn vom Kontext her eindeutig ist, daß dieser Satz mehr meint als ein einmaliges wörtliches Gehen einer Person zu einer Ansammlung anderer Personen, dann ist zunächst das "kam" eine Metaphorisierung eines (meist) behördlichen Eingriffs in die Biographie einer Person zum "Lebensweg"; gleichzeitig wird die Familie als Raum konstituiert, denn "in" etwas "hineingehen" überträgt räumliche Vorstellungen auf das abstrakte Phänomen "Familie". Heißt es später von der gleichen Person, sie sei dort "angekommen" und habe "gut hineingepaßt", dann sind diese Formulierungen ebenfalls als Metaphern des Wegs und des Raums bzw. Behälters zu notieren. Vielleicht hat diese Person dann "viel Aufmerksamkeit" "bekommen": Die unbestimmten Zahlwörter "wenig", "viel", "ein bißchen" zeigen ebenso wie das Verb "bekommen", daß hier "Aufmerksamkeit" als Substanz metaphorisiert wurde, die analog zu Stoffen wie Sand oder Mehl "gegeben" wurde. Dieser Metaphernbegriff scheint streng und zunächst sehr ungewohnt, erspart aber den Umgang mit den sehr heterogenen Metapherndefinitionen der Rhetorik.

cb) Synthese von kollektiven metaphorischen Modellen: Nach diesem ersten Schritt, Interviewtexte in ihre Sprachbilder zu zerlegen, liegt eine fortlaufende Liste unsortierter Metaphern vor. Wenn man beim obigen ersten Schritt schon sortiert, läßt man sich zu sehr von zu erwartenden Sinnzusammenhängen leiten und sucht die Metaphern im Text, die schon zu den gefundenen passen. Metaphorische Modelle lassen sich nun rekonstruieren, indem man sich in diesem zweiten Schritt die unsortierte Liste der Metaphern anschaut und sie zu gemeinsamen Bildfeldern ordnet, wie sie im Beispiel der kollektiven Metaphern des Helfens oben geschildert wurden; erst jetzt ergeben sich erste Interpretationen. Gegenüber einem willkürlichen Heraussuchen von Metaphern aus einem Text steht man nun unter dem Zwang, alle Metaphern in einen Verweisungszusammenhang zu bringen; und dabei werden auch Metaphernfelder auffallen, die sonst nicht zu finden gewesen wären.

Grundsätzlich sind nicht viele konzeptuelle Metaphern zu erwarten (exemplarisch: Lakoff 1987, S. 380ff.) In der vorliegenden Studie waren alle neun Metaphernfelder bereits nach fünf Interviews gefunden, die Hinzunahme weiterer Interviews und die Untersuchung bei ursprünglich nicht geplanter Klientel (HelferInnen von Erwachsenen mit psychotischen Erkrankungen) ergaben keine neuen Bilder. Die vorliegende Studie zeigt, daß diese Metaphernfelder nicht auf einem einheitlichen Abstraktionsniveau liegen: So waren in den Interviews die Metapher vom Helfen als "Nachhilfe" zu finden, in der sich die Helfenden als LehrerInnen für Schule und Leben verstanden, manchmal "streng" waren und unterschiedliche Dinge "übten". Diese Metapher ist sehr viel spezifischer als die Metapher der Hilfe als "auf den Weg bringen". Darüber hinaus gehören manche Metaphern mehreren Bildbereichen an (vgl. "auf die schiefe Bahn geraten", sowohl die Weg-Metapher wie das metaphorische Schema von "oben" und "unten" werden hier genutzt). Die hermeneutische Ordnungsarbeit kann daher nie abgeschlossen und endgültig sein. Schließlich ist die Strukturierung dieser Cluster zu einen übergeordneten prototypischen Modell (Lakoff 1987, S. 397) möglich, welches die Metaphernfelder in einen sinnhaften Zusammenhang setzt, was den hier vorgegebenen Rahmen sprengt (Schmitt 1995, S. 220f).

d) Rekonstruktion individueller Metaphorik: Nach diesen zwei Verfahrensschritten können sich Analysen individueller Handlungsmuster und Kognitionen anschließen; sie basieren auf den schon für die Gesamtanalyse ausgewerteten Texten. Nun ist es möglich, die sequentielle Struktur zu betrachten: Wann werden welche Metaphern geäußert? Werden sie z.B. vom weiteren Gesprächsteilnehmern aufgenommen? Gibt es Metaphern, welche die Kommunikation und die Erwartungen an diese selbst thematisieren? Buchholz (1996), Buchholz und v. Kleist (1995) rekonstruierten solche Interaktionen der Metaphern. Zu erwarten ist auf dieser Analyseebene die Beschreibung von individuellen Besonderheiten der Metaphorik und die Eigenarten der Verknüpfung verschiedener Konzepte; weiterhin sollten das Fehlen kollektiv üblicher Metaphern und damit Defizite an Handlungsmöglichkeiten hier auffallen. Ferner ist in der Fallarbeit die biographische Einbettung des metaphorischen Musters möglich (vgl. Schmitt 1996a). Zuletzt kann im Zusammenhang mit einer kontexterhebenden Methode die praktische Ausfaltung der metaphorischen Konzepte beschrieben werden; diese Analyse beschreibt das individuelle Verhältnis zwischen metaphorischen Konzepten und realen Handlungen. Deskriptive Einzelfallstudien (Schmitt 1995) zeigen, daß konkretes Handeln und die Bildwelt der HelferInnen sich gegenseitig auslegen und kommentieren.

Ebenso wird im Vergleich mit frühen Versuchen der Metaphernanalyse (z.B. Straub und Sichler 1989), die weniger systematisch nach Metaphern suchten, deutlich, daß manche Metaphernfelder eines Interviews sich in ihren Implikationen widersprechen. Neuere metaphernanalytische Studien belegen, daß menschliches Verhalten und Fühlen oder psychische Erkrankungen nicht aus einer einzigen Metaphorik zu erklären sind (Buchholz 1996). Wenn die Ergebnisse der Untersuchungen von Pollio et al. (1977, S. 92f) mit StudentInnen stimmen, dann korrelieren kognitive Flexibilität und Metapherngebrauch: Wer über viele Bilder zur Einordnung des Geschehens in der Umwelt verfügt, besitzt offenbar auch effektivere Handlungsstrategien.

e) Methoden-Triangulation: Eine Möglichkeit der Interpretation und Darstellung ist die Zurückübersetzung der Metaphernfelder und der mit ihnen gewonnenen Interpretationen in ein Fallbeispiel, eine zweite die essayistische Aufbereitung, eine dritte das Modellieren typischer metaphorischer Modelle. Sowohl die Darstellung wie der Wahrheitsgehalt des nun zu produzierenden Textes gewinnt, wenn eine zweite qualitative Methode auch das, was die Metaphernanalyse nicht erfaßt, zur Sprache kommen läßt. Ich habe die Inhaltsanalyse nach Mayring (1983, 1989) genutzt. Im Vergleich zwischen Metaphernanalyse und Inhaltsanalyse nach Mayring zeigen sich folgende Stärken der Metaphernanalyse:

- Sie erhebt subjektive bildgesteuerte Reflexions- und Wahrnehmungsmodelle der Untersuchten;

- sie erlaubt die Wahrnehmung eines emotionalen "Klimas" in der Welt der Untersuchten, vorbewußte Konflikte und unbewußte Inszenierungen, atmosphärische Polaritäten;

- sie expliziert sprachliche und kulturelle Grundmuster.

Die Stärken der Inhaltsanalyse, und damit die Schwächen der Metaphernanalyse, bestehen in

- der konkreten Beschreibung sozialer & psychischer Details und der Vielfalt konkreter Tätigkeiten;

- der Benennung bewußter Konflikte und Konfliktinhalte;

- der expliziten Benennung des rational nachvollziehbaren subjektiven Sinns (z.B. aus erzählten Geschichten).

Wirkliche Widersprüche waren nicht zu finden, wenn ich die Ergebnisse der beiden Analysen zusammengesetzt habe. Die beiden Methoden stehen daher in einem komplementären, nicht in einem konträren Verhältnis zueinander. Die Defizite zeigen, daß die Metaphernanalyse, wie jede andere qualitative Methode auch, nie als alleiniges Instrument eingesetzt werden sollte.

f) Theorien-Triangulation: Sowohl die eben genannte "Methoden-Triangulation" wie die "Theorien-Triangulation" gehen auf Hinweise von Flick (1987, 1991) zurück. Er siedelt ihre Möglichkeiten im Kontext gegenstandsangemessener Forschung an: Die Methoden sollen dem Gegenstand und seinem Kontext, die Kriterien zur Überprüfung der Ergebnisse diesen Methoden und dem Gegenstand entsprechen. Dies führt zu spezifischen Kriterien für jeden Gegenstand und zu eigenen Strategien zu ihrer Gewinnung. Für diese ist die Triangulation interessant; Flick unterscheidet verschiedene Formen der Triangulation nach der Nähe zu den erhobenen Daten:

a) Daten-Triangulation: gezielte, systematische Auswahl und Kombination von befragten Personen, Zeiten, Fällen, etc.; dies entspricht dem "theoretical sampling" nach Glaser und Strauß (s.o.).

b) Investigator-Triangulation: Um Verzerrungen durch die Person des Forschers zu vermeiden, werden verschiedene Forscher mit der gleichen Aufgabe betraut.

c) Theorien-Triangulation: Die Annäherung an das interessierende Phänomen geschieht gleichzeitig von verschiedenen theoretischen Perspektiven aus.

d) methodologische Triangulation: Vergleich der Ergebnisse zwischen verschiedenen Methoden.

Die Investigator-Triangulation scheidet aus forschungsökonomischen Gründen für PraktikerInnen meist aus. Die methodologische Triangulation muß berücksichtigen, daß jede Methode ihren Gegenstand (zumindest mit-) konstituiert. Dies führt dazu, daß eine Methode wie die Metaphernanalyse ein völlig anderes Objekt vor sich stellt als die Inhaltsanalyse nach Mayring. Flick besteht darauf, daß die angewendeten Methoden sowohl sozial geprägte Interaktionsmuster als auch Strukturen im Subjekt aufnehmen sollten, um eine "reichere" Sicht auf den Gegenstand zu erhalten. Je verschiedener der Fokus der Methoden, desto fundierter sei die Behauptung von der Geltung und der Begründung der Interpretationen (ebd., S. 14f., vgl. Spöhring 1989, S. 322). Ich habe die Inhaltsanalyse Mayringscher Prägung, die einen "Nachvollzug subjektiv gemeinten Sinns" ermöglicht, und die Metaphernanalyse, die "Deutungs- und handlungsgenerierende Tiefenstrukturen" rekonstruiert, gewählt (Gegenüberstellung nach Lüders und Reichertz 1986, S. 92ff). Das Ziel dieser Triangulation war, um mit Flick zu sprechen, statt der Validierung gefundener Muster die Gewinnung eines kaleidoskopartigen Bildes (Flick 1989, S. 152f.). Dieses gilt für die Triangulation der Theorien ebenso wie für die der Methoden; Verzerrungen und Gehalte der Ergebnisse und der Theorien lassen sich nun gegenüberstellen. An dieser Stelle habe ich in meiner Studie die gefundenen Metaphern mit Ansätzen, die einen umfangreicheren Begriff des Helfens nahelegen, der Tätigkeitstheorie und der Sozialisationstheorie der objektiven Hermeneutik diskutiert, wobei die Einzelfallhilfe sich weiter spezifizieren ließ, gleichzeitig die sinnlich-begriffliche Armut dieser Theorien deutlich wurde.

 

6. Noch einmal: Metaphern, Theorie und Praxis

Die Metaphernanalyse ist als sozialwissenschaftliches Handwerkszeug noch nicht so entwickelt, daß ihre Ergebnisse und deren Reichweite sicher einzuordnen sind. Ihre Nähe zu den Konzeptionen von "Alltagstheorien" (Laucken 1974), "subjektiven Theorien" (Groeben 1988), dem sozialen Konstruktivismus (Gergen 1996) bzw. der Erforschung der "Sicht des Subjekts" (Bergold und Flick 1987) ist deutlich. Diesen Ansätzen ist ein nicht-hierarchisches Verhältnis von Theorie und Praxis eigen, und vielleicht läßt sich an dieser Stelle zum Ausgangsproblem zurückkehren, zur tiefen Kluft zwischen akademischer Theoriebildung und der Praxis. V. Kleist (1984, S. 7) geht davon aus, daß solche Lücken zwischen Theorie und erlebter Praxis mit Bildern, Gleichnissen und Geschichten gefüllt werden, welche die Erfahrungen der PraktikerInnen besser repräsentieren. Damit ist keine Absage an theoretische Bemühungen gemeint, aber eine Neubestimmung des Verhältnisses von Theorie und Praxis. Sehr befreiend fand ich die Reformulierung des Verhältnisses von Psychotherapieforschung und Psychotherapie in Metaphern der Systemtheorie: daß Psychotherapie oder hier: die Einzelfallhilfe, als ein Diskurssystem neben dem der Wissenschaft betrachtet werden kann und beide sich nebeneinander ausdifferenziert haben (Buchholz 1995, S. 17f), also nicht in der üblichen Stufenfolge einer "Fundierung" oder "Grundlegung" zu begreifen sind. Beide Diskurssysteme sind von ihrer je spezifischen Relevanz, ihren Methoden, ihren Mitgliedern, ihrem Status und vor allem ihrer Zeitstruktur völlig verschiedene Systeme; es gibt daher keinen "Transfer", sondern Reibung und bestenfalls kreative "Verstörung" der beiden Systeme aneinander. Auch Kleiber (1988, 1989) verweist auf systemtheoretische Überlegungen: PraktikerInnen stehen vor einer nicht bewältigbaren Komplexität und Intransparenz sozialer Verhältnisse, alle relevanten Wirkvariablen sind vernetzt und voneinander abhängig, die Ziele sind meist nur unklar zu definieren und widersprechen sich oft; und Handeln findet fast immer unter Zeitdruck statt. Dieser Situation ist nur mit prägnanten metaphorischen Modellen, nicht mit theoretischen Konstruktionen zu begegnen. Letztere reagieren auf eine andere Komplexität im Diskurssystem Wissenschaft, sind von den Folgen realer Handlung abgekoppelt und pflegen einen anderen Umgang mit der sonst knappen Ressource Zeit. Vielleicht wird es in Zukunft als schiefes Bild, als falsche Theorie und schlechte Praxis empfunden, wenn Praxis durch Theorie "fundiert", Praxis aus Theorie "abgeleitet" oder Theorie in Praxis "umgesetzt" werden soll.

 

Literaturverzeichnis:

 
Bamberg, Michael. Metapher, Sprache, Intersubjektivität. In: Muttersprache, 92. Jahrgang, 1982, S. 49-62.

Bamberg, Michael; Lindenberger, Ulman. Zur Metaphorik des Sprechens. Mit der Metapher zu einer Alltagstheorie der Sprache. In: Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht. 15. Jahrgang, Band 53, 1984, S. 18-33.

Beerlage, Irmtraud; Fehre, Eva-Maria (Hrsg.). Praxisforschung zwischen Intuition und Institution. DGVT-Verlag, Tübingen 1989.

Bergold, Jarg. B., Flick, Uwe. (Hrsg.). Einsichten. Zugänge zur Sicht des Subjekts mittels qualitativer Forschung. DGVT, Tübingen 1987.

Blumenberg, Hans. Paradigmen zu einer Metaphorologie. In: Archiv für Begriffsgeschichte, Band 6, Bonn 1960, S. 7-142.

Bock, Herbert. Argumentationswert bildhafter Sprache im Dialog. Eine denkpsychologische Untersuchung der Wirkung von auf Analogien beruhenden Sprachbildern als Problemlöseheuristiken in argumentativen Dialogen. Dissertation Universität Regensburg, Frankfurt 1981.

Bock, Herbert. Metaphorik: Bildersprache als therapeutisches Werkzeug? In: Psychologische Beiträge, Band 25, 1983, S. 94- 111.

Brünner, Gisela: Metaphern für Sprache und Kommunikation in Alltag und Wissenschaft. In: Diskussion Deutsch, 1987, 18. Jahrgang, S. 100-119.

Buchholz, Michael B. (Hrsg.). Metaphernanalyse. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1993 (=1993a).

Buchholz, Michael B. Die Rolle der Prozeßphantasie in der stationären Psychotherapie. In: Journal für Psychologie, Jahrgang 1, Heft 4, November 1993, S. 64-81 (=1993b).

Buchholz, Michael B.; Streeck, Ulrich (Hrsg.): Heilen, Forschen, Interaktion. Psychotherapie und qualitative Sozialforschung. Westdeutscher Verlag, Opladen 1994.

Buchholz, Michael B.; Kleist, Cornelia von. Metaphernanalyse eines Therapiegespräches. In: Buchholz 1995, S. 93-126.

Buchholz, Michael B. (Hrsg). Psychotherapeutische Interaktion. Qualitative Studien zu Konversation und Metapher, Geste und Plan. Westdeutscher Verlag, Opladen 1995.

Buchholz, Michael B. Metaphern der Kur. Eine qualitative Studie zum psychotherapeutischen Prozeß. Westdeutscher Verlag, Opladen 1996.

Carveth, Donald L. Die Metaphern des Analytikers. Eine dekonstruktionistische Perspektive. In: Buchholz 1993, S. 15- 71.

Conen, Marie-Luise. Eine systemische Sichtweise der Familienarbeit in der Heimerziehung und in der sozialpädagogischen Familienhilfe. In: Evangelische Jugendhilfe, 1991, 4, S. 11-16.

Conen, Marie-Luise. Supervision in der sozialpädagogischen Familienhilfe. In: Supervision, 1992, Heft 21, S. 51-63.

Devereux, Georges. Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften. Frankfurt a. M. 1984.

Flick, Uwe. Methodenangemessene Gütekriterien in der qualitativ-interpretativen Forschung. In: Bergold, Flick 1987, S. 247- 262

Flick, Uwe. Vertrauen, Verwalten, Einweisen. Subjektive Vertrauenstheorien in sozialpsychiatrischer Beratung. Wiesbaden 1989.

Flick, Uwe. Triangulation. In: Flick et al. 1991, S. 432- 435.

Flick, Uwe; Kardorff, Ernst von; Keupp, Heiner; Rosenstiel, Lutz von; Wolff, Stephan. Handbuch qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen. Psychologie Verlags-Union, München 1991.

Fritzsche, Brigitte; Imbruck, Wolfgang. Einzelfallhilfe: präventiv und alltagsnah. In: Sozial extra, Heft 11/1992, S. 2f.

Gergen, Kenneth J. Das übersättigte Selbst. Identitätsprobleme im heutigen Leben. Auer-Verlag, Heidelberg 1996.

Glaser, B. G., Strauss, A. L. The Discovery of Grounded Theory. Strategies for qualitative research. Chicago 1967.

Gordon, David. Therapeutische Metaphern. Junfermann, Paderborn 1985.

Groeben, Norbert. Forschungsprogramm Subjektive Theorien. Francke, Tübingen 1988.

Habermas, Jürgen. Erkenntnis und Interesse. Frankfurt am Main 1968.

Haller, Reinhold Sozialpädagogische Familienhilfe - Zur Inflation eines Begriffes. In: Unsere Jugend 1987, Heft 6, S. 226-229.

Hoffmann, Nicolas. Ein verhaltenstherapeutischer Ansatz im sozialpsychiatrischen Dienst. In: Fiedler, Hörmann 1976.

Jaeggi, Eva; Faas, Angelika. Denkverbote gibt es nicht!. In: Psychologie & Gesellschaftskritik 67/68, 1993, Heft 3/4, 1993, S. 141-162.

Jaeggi, Eva. Die problematische Beziehung zwischen Psychotherapeuten und Psychotherapieforschung. In: Buchholz, Streeck 1994, S. 107-120.

Johnson, Mark. The Body in the Mind. The Bodily Basis of Meaning, Imagination, and Reason. The University of Chicago Press, Chicago 1987.

Kleiber, Dieter. Handlungsfehler und Mißerfolge in der psychosozialen Praxis: Probleme im Umgang mit komplexen Systemen. In: Kleiber, Kuhr 1988, S. 73-93.

Kleiber, Dieter; Kuhr, Armin. Handlungsfehler und Mißerfolge in der Psychotherapie. Tübingen 1988.

Kleiber, Dieter. Forschungsstrategien für die psychosoziale Praxis. Strategien einer praxisdienlichen Forschung. In: Beerlage, Fehre 1989, S. 193-203.

Kleist, Cornelia von. Zur Metaphorik psychischen Leidens. Eine Analyse therapeutischer Erstgespräche. Unveröffentlichte Diplomarbeit am Psychologischen Institut im Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften I der Freien Universität Berlin, 1984.

Kleist, Cornelia von. Zur Verwendung von Metaphern in den Selbstdarstellungen von Psychotherapieklienten. In: Bergold, Flick 1987, S. 115-124.

Kreft, Dieter; Müller, C. Wolfgang. Sozialpädagogische Familienhilfe. Ein neues Jugendhilfeangebot zwischen Einführung und Bewährung. In: Neue Praxis 2/86., S. 107- 113.

Kuhn, Thomas S. Metaphor in Science. In: Ortony 1979, S. 409-419.

Lakoff, George. Women, Fire and Dangerous Things. What Categories Reveal about the Mind. The University of Chicago Press, Chicago 1987.

Lakoff, George; Johnson, Mark. Metaphors we live by. The University of Chicago Press, Chicago 1980.

Laucken, Uwe. Naive Verhaltenstheorie. Stuttgart 1974.

Leber, Aloys; Reiser, Helmut (Hrsg.). Sozialpädagogik, Psychoanalyse und Sozialkritik. Neuwied 1975.

Linke, Jürgen. Der Familienhelfer - ein Alltagstherapeut. In: Sozialpädagogik, Heft 4, 1987, S. 156ff.

Lüders, C.; Reichertz, J. Wissenschaftliche Praxis ist, wenn alles funktioniert und keiner weiß warum. Bemerkungen zur Entwicklung qualitativer Sozialforschung. Sozialwissenschaftlicher Literatur-Rundschau 12, S. 90-102.

Mayring, Philipp. Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Beltz, Weinheim 1983.

Mayring, Philipp. Qualitative Inhaltsanalyse. In: Jüttemann, Gerd (Hrsg.). Qualitative Forschung in der Psychologie. Asanger, Heidelberg 19892, S. 187-212.

Nielsen, Heidi; Nielsen, Karl; Müller, C. Wolfgang.: Sozialpädagogische Familienhilfe. Probleme, Prozesse und Langzeitwirkungen. Weinheim 1986.

Oevermann, Ulrich; Gripp, Helga; Allert, Tilman; Konau, Elisabeth; Krambeck, Jürgen; Schroeder-Caesar, Erna; Schütze, Yvonne. Beobachtungen zur Struktur der sozialisatorischen Interaktion. In: Auwärter, Manfred; Kirsch, Edit; Schröter, Klaus. (Hrsg.). Seminar: Kommunikation, Interaktion, Identität. Frankfurt am Main 1976.

Ortony, Andrew. (Hrsg.). Metaphor and Thought. Cambridge 1979.

Pollio, Howard R.; Barlow, Jack M.; Fine, Harold J.; Pollio, Marilyn R. Psychology and the Poetics of Growth. Figurative Language in Psychology, Psychotherapy, and Education. Hillsdale 1977.

Pollio, Howard R. Need Metaphoric Comprehension take longer than literal comprehension? In: Journal of Psycholinguistic Research, 13/3, 1984.

Rauh, Gisa. Präpositionengesteuerte Metaphorik. In: Habel et al. 1989, S. 249-282.

Schachtner, Christina. Der ärztliche Erkenntnis- und Handlungsprozeß. Ausgewählte Ergebnisse einer empirischen Studie. Manuskript, erscheint in: "Journal für Psychologie", voraussichtlich Heft 1/1997.

Schmitt, Rudolf. Psychosoziale Verhaltenstherapie? Einzelfallhilfe und Familienhilfe als praktischer Versuch. In: Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 1988, Heft 2, S. 176-187.

Schmitt, Rudolf. Verhaltenstherapie und Einzelfallhilfe - Ein Fallbeispiel. In: Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 1989, Heft 1, S. 95-111 (= 1989a).

Schmitt, Rudolf. Rezension zu: B. Thommen, R. Ammann und M. v.. Cranach. Handlungsorganisation durch soziale Repräsentation. Welchen Einfluß haben therapeutische Schulen auf das Handeln ihrer Mitglieder? Verlag Hans Huber, Bern 1988. In: Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, Heft 4/1989, S. 564-568 (= 1989b).

Schmitt, Rudolf. Metaphern des Helfens. Versuch über den Zusammenhang von Sprache und Handlung in psychosozialer Arbeit am Beispiel der Einzelfallhilfe. Psychologie Verlags-Union, Weinheim 1995.

Schmitt, Rudolf. Metaphernanalyse und die Repräsentation biographischer Konstrukte. In: Journal für Psychologie, Asanger-Verlag, Heidelberg, Doppelheft 4/1995 - 1/1996, S. 47-63 (=1996a). http://www.hs-zigr.de/~schmitt/aufsatz/biograph.htm

Schmitt, Rudolf. Kollektive Metaphern des psychosozialen Helfens. In: report psychologie, Bonn, Doppelheft 56/1996, S. 389-408 (=1996b). http://www.hs-zigr.de/~schmitt/aufsatz/report.htm

Spöhring, Walter. Qualitative Sozialforschung. Teubner, Stuttgart 1989.

Straub, Jürgen; Sichler, Ralf. Metaphorische Sprechweisen als Modi der interpretativen Repräsentation biographischer Erfahrungen. In: Alheit, Peter; Hoerning, Erika M. (Hrsg.). Biographisches Wissen. Beiträge zu einer Theorie lebensgeschichtlicher Erfahrung. Frankfurt am Main 1989, S. 221-237.

Thommen, Beat; Ammann, Rolf; Cranach, Mario von. Handlungsorganisation durch soziale Repräsentationen. Welchen Einfluß haben therapeutische Schulen auf das Handeln ihrer Mitglieder? Verlag Hans Huber, Bern 1988.

Wolf, Angelika. Essensmetaphern im Kontext von Aids und Hexerei in Malawi. In: Wolf, Angelika; Stürzer, Michael (Hrsg). Die gesellschaftliche Konstruktion von Befindlichkeit. Ein Sammelband zur Medizinethnologie, Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin 1996, S. 205-221.

Wolff, Stephan. Innovative Strategien qualitativer Sozialforschung im Bereich der Psychotherapie. In: Buchholz, Streeck 1994, S. 39-66.

Wondra, Werner. Aus der Grauzone psychosozialer Praxis, oder: Einzelfallhilfe als permanente Durchgangsstation. In: Forum Kritische Psychologie 24, 1989, S. 96-111.


Anmerkungen:

1Der Autor kann sich selbst nicht davon freisprechen, einmal in Kategorien der Sozialisationstheorie der objektiven Hermeneutik (Schmitt 1988), ein anderes Mal in Mustern der Verhaltenstherapie Beschreibungsversuche der Einzelfallhilfe versucht zu haben (Schmitt 1989a).

2Diese Beispiele für kollektive Metaphern des psychosozialen Helfens sind an anderer Stelle ausführlicher dargestellt (Schmitt 1995, 1996b).

3Wie Metaphern für therapeutisches Arbeiten genutzt werden können (Pollio et al. 1977, S. 101f., Gordon 1985, Bock 1981, 1983), so können sie auch für Supervision psychosozialer Arbeit bedeutsam werden: Konflikte zwischen Klienten und Professionellen können in der Unvereinbarkeit der jeweiligen metaphorischen Vorstellung von der Form der Hilfe ("Prozeßphantasien", Buchholz 1993b) liegen, wie auch die Konflikte in Supervisionsgruppen auf eine unterschiedliche metaphorische Konzeptualisierung des Problems zurückgeführt werden können. Pollio et al. (ebd.) verweisen darauf, daß sowohl das Einführen einer neuen Metapher, aber auch das Entfalten der Implikationen einer gebrauchten Metapher therapeutisch wirksam sein können.

4 In 5.2 (s.u.) schlage ich eine Operationalisierung des Metaphernbegriffs vor, der sich eindeutiger handhaben läßt als der von Pollio et al. (1977), vgl. Schmitt (1995), S. 113ff.

5Eine Sammlung der in der deutschen Sprache möglichen metaphorischen Konzepte von psychischer "Erkrankung" oder psychischer "Krise" kann beim Autor angefordert werden.

6Mit Papier und Schere sind diese Schritte auch möglich, wenn auch bei der Mehrfachauswertungen einer Stelle dieses Verfahren unhandlich wird.

(Zurück)